Bush und Finanzkrise
Für die Politik und gegen den Markt

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Hatte Bush bislang geschwiegen und seinem Finanzminister die Aufgabe überlassen, sich mit abgewogenen Worten gegen jede Panik zu stemmen, will er heute Nachmittag im Rosengarten selbst ein Maßnahmenpaket verkünden. Nach allem, was bislang bekannt ist geht es Bush dabei allerdings weniger um die Finanzkrise. Er will verhindern, dass die Unruhe in die Politik überschwappt.

Es fällt auf, wie sehr Bush genau die Vorschläge aufgreift, die vor wenigen Tagen der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama vorgetragen hatte: Rasche und großzügige Hilfe für Hausbesitzer in Not, eine Lockerung der Vergabepraxis von Kreditbürgschaften durch die staatliche Wohnungsbaubehörde und später dann strengere Regeln für die Kreditvergabe.

Damit setzt er sich über Bedenken in seiner eigenen Partei hinweg, die vor einem Moral Hazard-Problem warnen: Werden unvorsichtige Kreditnehmer jetzt mit Staatshilfe aus ihren Nöten herausgehauen wird sich das Risikobewusstsein in Zukunft wohl kaum verbessern. Ohnehin spielen staatliche geförderte Finanzunternehmen wie Fannie Mae eine viel zu große Rolle auf dem Hypothekenmarkt. Aber an diese Probleme will Bush vorerst nicht gehen, weil die unmittelbaren Folgen von den Hausbesitzern - sprich Wählern – geschultert werden müssten.

Immerhin, auch diese populistischen Maßnahmen wirken beruhigend. Denn sie nehmen den Bürgern einen Teil der Angst vor dem Bankrott. Sorgen um eine echte Konsumkrise mit Auswirkungen auf die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft werden daher gedämpft. Kein Wunder also, dass die Märkte erst einmal positiv reagieren.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik

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