Bushs Rede auf dem Parteikonvent der Republikaner
Kommentar: Ronald Reagan, die zweite

US-Präsident George W. Bush hat im Wahlkampf einen kräftigen Satz nach vorn gemacht. Mit seiner Rede beim Parteitag der Republikaner am Freitagmorgen in New York dürfte er bei vielen unentschlossenen Wählern in der Mitte gepunktet haben. Bush hielt eine Ansprache aus einem Guss, die sich um den Schlüsselbegriff "Freiheit" rankte. In der Innenpolitik kündigte der Präsident eine Serie von weiteren Steuererleichterungen an - etwa für den Start einer Krankenversicherung oder die Umleitung eines Teils der Rentenversicherungsbeiträge in private Investmentkonten.Weg von staatlichen Pauschal-Lösungen und hin zu individuell geschnürten Paketen, lautete die Devise.

In der Außenpolitik brach Bush eine Lanze für die Demokratisierung von autoritären Regimen - vor allem im Nahen Osten. Sein zentrales Argument: Freiheitliche Regierungen schaffen Stabilität und entziehen dem Terrorismus die Grundlage. Der Präsident setzte dieses Ziel in eine historische Perspektive mit der US-Außenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei verwies er insbesondere auf die Beispiele Deutschland, Japan und Osteuropa. Der ideologische Härtegrad sowie das Sendungsbewusstsein Bushs erinnern sehr stark an Ronald Reagan: Es ist kein Zufall, dass der Chef des Weißen Hauses seine Anti-Terror-Kampagne immer wieder mit Reagans Kampfansage an den Kommunismus vergleicht.

Auch bei der optimistischen Grundausrichtung versuchte Bush, seinem großen Vorbild nachzueifern. Er sprach ruhig, souverän und verzichtete auf ätzende Polemik. Der Präsident verfügte über eine kristallklare Botschaft, auch wenn die Finanzierbarkeit seiner geplanten Steuersenkungen angesichts des gigantischen Defizits in den Sternen steht. Sein demokratischer Herausforderer John Kerry muss sich nun mächtig ins Zeug legen, um Bushs Vision etwas Vergleichbares entgegenzusetzen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%