CDU
Aufschub für Merkel

Im Moment haben bis auf den letzten Mann alle in der Union, ob Merkel-Freunde oder-Widersacher, nur ein Interesse: Merkel muss Kanzlerin werden. Dann können sie in aller Ruhe abwarten, bis die in sich instabile große Koalition zusammenbricht und deren Kanzlerin mühelos beiseite schieben

Es ist schon kurios: Nie hat Angela Merkel so ungeteilte Unterstützung in ihrer Partei genossen wie am Tag nach ihrer niederschmetternden Wahlniederlage. Nichts als Dank und Anerkennung habe sie geerntet gestern im Parteipräsidium, heißt es. Und wenn dann doch einer am Wahlkampf etwas zu bemäkeln fand, dann zischten alle "Psst!", und zwar so laut, dass es in den Ohren schmerzte.

Heißt das, dass Merkel ungeschoren davonkommt? Dass ihr die Verantwortung für das Wahldesaster nichts anhaben kann? Natürlich nicht. Im Moment haben bis auf den letzten Mann alle in der Union, ob Merkel-Freunde oder-Widersacher, nur ein Interesse: Merkel muss Kanzlerin werden. Ihre Verbündeten finden das sowieso, ihre Kritiker unter den CDU-Ministerpräsidenten aber nicht minder: Dann können sie in aller Ruhe abwarten, bis die in sich instabile große Koalition zusammenbricht und deren Kanzlerin mühelos beiseite schieben.

Bis Merkel zur Kanzlerin gewählt ist, wird sie sich also auf ihre Partei verlassen können wie nie zuvor. Aber von dem Moment an, wo sich die Tore des Kanzleramts hinter ihr schließen, sieht die Sache anders aus. Dann wird man sich genauer anschauen, was schief gegangen ist. Merkel wird eine Kanzlerin sein, die eine nie da gewesene Wechselchance versiebt hat. Sie wird eine schwache Kanzlerin sein.

Und wenn sie ins Kanzleramt aufrückt, wird sie den Stuhl des Fraktionschefs räumen. Auf diesem wird dann womöglich niemand anderes Platz nehmen als Friedrich Merz. Der mag Merkel bekanntlich nicht besonders. Als Fraktionschef war Merz einst sehr beliebt. Und ein Fraktionschef mit starkem Rückhalt ist in die Regierungsdisziplin genau in dem Maße eingebunden, in dem es ihm passt. Die Vorstellung, in dieser Konstellation - umstellt von lauter Wulffs, Oettingers und Merzens - regieren zu müssen, muss Merkel den Schlaf rauben.

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