CDU/CSU
Kommentar: Marsch, marsch, zurück

Warum beruft Frau Merkel einen Professor Kirchhof in ihr Kompetenzteam, wenn er seinen einzigen Trumpf nicht einmal ausspielen darf?

Der Reiz des Hochschullehrers liegt doch wohl allein in seinem radikalen Reformkonzept, das die Botschaft ausstrahlt: Es könnte ein Deutschland geben, das sich mehr für Freiheit und Wertschöpfung als für die Vermeidung von Steuern begeistert. Diese Hoffnung kommuniziert der Seiteneinsteiger in seinen ersten Auftritten als Teammitglied recht gekonnt.

Ausgerechnet ihm, der als Erster einen Hauch von lichter Idee in den trüben Unionswahlkampf bringt und den sie nach eigener Aussage zum Finanzminister machen will, wenn es in ihrer Macht steht, knallt die Kanzlerkandidatin das eigene Regierungsprogramm um die Ohren, nach dem Motto: marsch, marsch, zurück zur Beschlusslage.

Für die braucht sie aber keinen Kirchhof. Denn der Ex-Verfassungsrichter ist bislang nicht dadurch aufgefallen, dass er Formelkompromisse besonders geschickt durch große Bürokratenapparate schleusen und ins Gesetzblatt bringen könnte. Ist diese Kompetenz besonders gefragt, hätte Frau Merkel sich besser ein anderes Mitglied geholt.

Kein Wunder, dass der überzogene Ordnungsruf der Spitzenkandidatin die Stillstandsakrobaten der Union ermuntert. Günther Oettinger aus Baden-Württemberg legt sich für den Erhalt der Pendlerpauschale und der Eigenheimzulage ins Zeug. Ein wirklich radikaler Reformer, dieser Ministerpräsident! Ihn müsste Frau Merkel abmeiern, nicht ihren Kirchhof. Denn die Oettingers und Rüttgers dieser Republik sind die größere Gefahr für die Union: Die Landesfürsten kaufen ihr den Schneid schon vor der Wahl ab.

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