CDU HESSEN
Sonderfall Koch

Die Temperatur steigt im Konflikt zwischen Hessens CDU-Chef Roland Koch und den Freien Wählern.

Zwei Wochen vor dem Parteitag in Dresden, bei dem er zu einem der Stellvertreter Angela Merkels aufrücken soll, ist das ein denkbar ungünstiger Moment für den machtbewussten Hessen. Er reckt sich nach der Bundespolitik, doch die Tücken der Kommunal- und Landespolitik zerren an ihm. Wieder einmal. Das macht Koch zum Sonderfall.

Bislang gibt es keine Belege dafür, dass Koch den Wählergruppen tatsächlich ein unmoralisches Angebot gemacht hätte, um seine Wiederwahlchancen zu verbessern. Die bekannt gewordenen Fakten belegen ebenso gut Kochs Version, er habe die Gruppierungen schlicht darauf hingewiesen, dass sie nicht besser gestellt werden könnten als normale Parteien und beide Förderungen bekommen.

Fragen kann allenfalls die Tatsache aufwerfen, dass die Hessen-CDU seit Jahren mit den Freien Wählern über eine Finanzierung verhandelt, die es nach eigener Aussage in keinem anderen Bundesland gibt. Aber Kochs Erklärung, er habe sich schlicht um eine Lösung des Problems bemüht, muss nicht deshalb falsch sein, weil die Wählergruppen ihm nun schwere Vorwürfe machen.

So dünn die Faktenlage letzten Endes auch sein mag: Koch wird dennoch eine Weile an der Geschichte laborieren, schon weil es mit der Spendenaffäre der hessischen CDU, in die er maßgeblich verwickelt war, eine dunkle Vorgeschichte gibt. Das ist das Problem dieses CDU-Schwergewichts: Er ist gescheit, diszipliniert, denkt strategisch, hat Gespür für wirksame Themen, ist durchsetzungsstark. Man traut ihm viel zu. Aber eben auch in dem Sinn, der nicht gerade ein Kompliment ist. Das ist sein persönlicher Imageabschlag auch im Urteil der Parteifreunde, wenn es um höchste Weihen geht.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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