CDU
Merkel in akuter Not

Die Notoperation ist missglückt, die Chirurgin liegt verletzt am Boden: Wolfgang Schäuble will Angela Merkel nicht aus der Patsche helfen, in die sie Friedrich Merzens Flucht aus der Verantwortung gestoßen hat. Der Ex-Partei- und Fraktionschef Schäuble, den Merkel nicht erst bei der Präsidentschaftskandidatur in die Requisitenkammer gejagt hatte, zeigt ihr jetzt zum ersten Mal ganz offen die kalte Schulter: Ohne mich! Der Pflichtmensch, dem die Partei über alles geht, lässt seine Doppelvorsitzende im Regen stehen. Das ist weit mehr als nur ein Wirkungstreffer gegen Merkel: Wenn einer dem harten Drängen der CSU auf Verwässerung der Sozialreformen energisch und effektiv hätte Paroli bieten können, dann der notfalls beinhart keilende Schäuble. Offenbar aber definiert der die Interessen der Partei jetzt völlig anders als Merkel.

So hat Schäuble seine Vorsitzende und Rivalin zu einer personalpolitischen Bankrotterklärung genötigt - und in der Stunde der Not am Boden liegen lassen. Verheerender als Intrigengeflechte oder angebliche Putschpläne je sein könnten, lädiert die Abfuhr des viel Geschmähten die Parteiführerin: Sie hat in der Partei aus der ersten Reihe offenbar niemand Qualifizierten von Profil mehr, der auch nur aus Disziplin und Loyalität zu ihr stünde. Dabei zeigt alleine ihre Anfrage bei Schäuble, wie prekär Merkels (Personal.-)Situation ist: Ausgerechnet an jenen Mann wollte sie sich klammern, den sie als Relikt der Epoche Kohl schmähte und mit der Übernahme des Vorsitzendenamtes glaubte abgeschüttelt zu haben. Dabei war Schäuble ihr erstes Opfer auf dem Weg nach ganz oben. Doch man sieht sich im Leben immer zweimal...

Ist es schon so weit? Das Signal ist folgenreicher als die Düpierung durch einen Rachsüchtigen: Ihr prekäres Eingeständnis, auf jemanden zurückgreifen zu müssen, den sie stets nur übergangen hat, wird in der Partei als Ermunterung jener aufgegriffen, die ihre Führungskraft und ihre menschliche Qualitäten in Zweifel ziehen - und gegen sie intrigieren. Doch wer als Vorsitzende so wenig ruhige Autorität ausstrahlt, bleibt verwundbar - in der eigenen Partei und von der CSU. Stoiber und Seehofer haben einen ebenbürtigen Widerpart in der CDU verloren. Der CSU mag das helfen. Auch der Union?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%