CDU
Schwarzes Projekt

Während das rot-grüne Projekt wortreich beerdigt wird, bleibt es um die Alternative still: Ein geistiges Projekt des Konservatismus wird nicht diskutiert.

Das liegt am Personal: Eine Frau als Kanzlerkandidatin, geschieden, wiederverheiratet, kinderlos, evangelisch, aus dem Osten - Angela Merkel ist Projektionsfläche für viele Wünsche und Hoffnungen. Aber an ihr einen "Richtungswahlkampf" festzumachen, wie Franz Müntefering es will, geht ins Leere. Auch ihre Mannschaft machte es den Zuspitzern schwer; Ursula von Leyden strahlt keine "soziale Kälte" aus, und bei Katherina Reiche steht der Gatte in der Küche. Auch die Wulffs, Kauders und Pofallas wirken eher wie mitfühlende Schuldenberater von der Kreissparkasse und nicht wie Klassenkämpfer von rechts.

Selbst Günther Beckstein ist in Ausländerfragen kirchentagsbewegter als Abschiebe-Schily. Der Habitus der Merkel-CDU ist jünger und moderner als bei den Grünen, die dagegen wie alt gewordene Berufsjugendliche wirken. Joschka Fischer erscheint wie ein Darth Vader aus dem Krieg der Sonnenblumen, der alle Ideale seinem persönlichen Machtanspruch geopfert hat.

Angst vor einer Gegenreformation mit Kirche, Kapital und Küche? Nicht mit Merkel. Und dann macht noch Helmut Kohl den Brückenschlag der Generationen: Er wird von den Alten umjubelt und löst Begeisterungsstürme bei den Jungen aus. Immer war die Union bei den über 60-Jährigen besonders gefragt; doch neuerdings, so beobachtet Wahlforscher Reinhard Schlinkert von Infratest Dimap, wird sie auch bei den Jungwählern mehrheitsfähig: Die versunkene Welt des Helmut Kohl steht für verloren gegangene Solidität; seiner Nachfolgerin traut man eher zu als den Amtsinhabern, Arbeitsplätze von morgen zu schaffen. Merkel hat Kohl entthront, ist aber wieder auf ihn zugegangen.

Merkel ist es gelungen, das rot-grüne Projekt endgültig als das Projekt einiger Jahrgänge erscheinen zu lassen, die jetzt an der Schwelle zum Vorruhestand stehen. Ihr eigenes Generationsschicksal, die Jugend in der DDR, wird auf eine dynamische Art Programm bei Merkel: Glaubwürdig kann sie Mut und Veränderungsbereitschaft einfordern, beides hat sie während der Wiedervereinigung bewiesen. Dass sie immer wieder auf Konrad Adenauer und Ludwig Erhard rekurriert, wirkt, als habe sie da einige Jahrzehnte versäumt hinter der Mauer. Aber es ist Konzept.

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