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Chance für den Irak

Pik-Ass sitzt. Das letzte Kapitel der Ära Saddam Husseins ist abgeschlossen. Acht für die USA peinlich lange Monate hatte sich Saddam dem Zugriff seiner Häscher entziehen können. Die Amerikaner können jetzt auf die Demoralisierung der letzten Saddam-Getreuen hoffen.

Pik-Ass sitzt. Das letzte Kapitel der Ära Saddam Husseins ist abgeschlossen. Buchstäblich ausgegraben haben amerikanische Soldaten den ehemaligen Staatschef des Iraks in einem Keller nahe Tikrit. US-Präsident George W. Bush dürfte mit dem letzten Spatenstich ein Stein vom Herzen gefallen sein. Nach dem Krieg war die Festnahme des Diktators zwar als eine Frage der Zeit betrachtet worden. Doch acht für die USA peinlich lange Monate hatte sich Saddam dem Zugriff seiner Häscher entziehen können.

Die psychologische Wirkung seiner Festnahme kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Saddam in Freiheit - das war das letzte Symbol für die nicht gelungene vollständige Zerschlagung des alten Regimes. Die Amerikaner können jetzt auf die Demoralisierung all jener Anhänger hoffen, die ihnen in den vergangenen Monaten mit Terroranschlägen aus dem Hinterhalt so viele Verluste zugefügt hatten.

Verbitterte Getreue Saddams werden ihrer Wut wohl noch einmal mit Terroranschlägen Luft zu machen versuchen. Die US-Soldaten müssen daher höchst wachsam bleiben, zumal Anschläge auch von anderen Gruppen drohen. Doch langfristig dürfte der Widerstand nach und nach in sich zusammenfallen, weil die finanzielle und materielle Infrastruktur für die Versorgung der Terroristen immer weiter austrocknet.

Bush mag Saddams Festnahme als willkommenen Propagandacoup ausschlachten. Das ist im angelaufenen Wahlkampf sein gutes Recht. Zumal ihm kaum noch das Schicksal seines Vaters droht, dem eine zweite Amtszeit auch verweigert worden war, weil er den US-Feldzug kurz vor dem Einmarsch in Bagdad abgebrochen hatte. Bush junior kann jetzt das Werk vollenden, muss dabei aber behutsamer als bisher vorgehen. Allein sind die Amerikaner beim Wiederaufbau des Iraks überfordert. Das haben die vergangenen Monate gezeigt. Nicht auszuschließen ist, dass Bush hin und wieder in alte Freund-Feind-Reflexe zurückfällt. Doch in eine gesicherte Zukunft wird der Irak nur dann schauen können, wenn Bush eine breite internationale Koalition in die Verantwortung einbindet.

Die Amerikaner haben es selbst in der Hand: Ein wichtiger Schritt für die Befriedung wäre nicht nur eine schnellere Übergabe der Souveränität an die Iraker. Mit der Invasion des Zweistromlandes haben die USA die Verpflichtung für den Aufbau einer demokratischen Ordnung übernommen. Zwar ist der Irak von Stabilität und Rechtsstaatlichkeit noch weit entfernt. Aber es wäre von hoher Symbolkraft, wenn Saddam Hussein nun vor ein irakisches Gericht gestellt würde. Ihn vor einem US-Tribunal abzuurteilen wäre zweifellos das falsche Signal.

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