China
Der lange Marsch

Demnächst wird das Management des chinesischen Computerherstellers Lenovo auf die Skyline von New York blicken. Auch beim Hausgerätehersteller Haier in Tsingtau, dem weltweit größten Produzenten „weißer Ware“, geht nichts mehr ohne Englischkenntnisse. Und wenn die chinesischen Energieriesen ein milliardenschweres Übernahmeangebot unterbreiten, wie gerade in Kasachstan geschehen, rücken sie mit einem Trupp smarter Banker aus London oder New York an.

Chinas alte Staatsbetriebe zeigen sich im neuen Licht. Ihr plötzlicher Griff nach ausländischen Unternehmen und Markennamen hat die europäischen und amerikanischen Konkurrenten in eine Art Panik versetzt. Doch in Europa und in Amerika sollte man zur Kenntnis nehmen: Völlig unabhängig davon, dass sich viele Kaufpläne in Luft auflösen, siehe das Gebot von CNOOC für Unocal oder von Saic für Rover, Chinas Reifeprüfung auf globalem Parkett steht noch aus. Daran ändert auch die gelungene Übernahme von IBM durch Lenovo nichts.

Dennoch: Internationale Partnerschaften im eigenen Land, Übernahmen auf fremden Kontinenten und Börsengänge an internationalen Finanzplätzen zeigen bereits Wirkung. Der nach dem Kauf der IBM-Computersparte angestrebte Umzug der Lenovo-Zentrale von Peking nach New York ist zwar eher eine symbolische Maßnahme. Aber die chinesischen Riesen nähern sich den weltweiten Standards ständig an.

China verharrt eben nicht, wie von vielen westlichen Konkurrenten oft behauptet, auf dem Niveau eines Standortes für Billigproduktionen. Selbst beim Thema Schutz von geistigem Eigentum, mit Blick auf das Reich der Kopierer eigentlich ein scheinbar unlösbares Problem, zeichnet sich ein neues Denken ab. Ein Internetportal aus China hat gerade wegen Copyright-Bedenken ein Musikkopierangebot gestoppt. Gleichzeitig klagen chinesische Unternehmen nun wegen des Verdachts auf Diebstahl von Patenten gegen ausländische Hersteller.

All dies zeigt: Die Chinesen haben die Sprache der Globalisierung gelernt. Doch es ist immer noch sehr schwer zu erkennen, wie „westlich“ Chinas Konzerne wirklich aufgestellt sind, wie eng nach wie vor die Nähe zum Staat ist und wie weit der Wille zum Erlernen marktwirtschaftlicher Spielregeln tatsächlich gediehen ist. Noch immer zieht die Regierung in Peking fast überall die Fäden, sind Korruption und Missmanagement an der Tagesordnung, spielen Konzernchefs wie Haier-Boss Zhang Ruimin wichtige Rollen in der Kommunistischen Partei.

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