China
Die Macht des Geldes

Militärisch ist China eine Regionalmacht. Aber finanziell ist das Reich der Mitte eine Supermacht. Es hortet mit über einer Billion Dollar die höchsten staatlichen Devisenreserven der Welt. Keine andere Regierung kann mit so wenig Restriktionen und Kontrollen so viel Geld bewegen wie die chinesische. Das wird nicht zuletzt an dem staatlichen Investitionsfonds von 200 Milliarden Dollar deutlich, den Finanzminister Jin Renging Ende der letzten Woche aus der Taufe hob. Dieser riesige Betrag entspricht nur jenem, um den die staatlichen Devisenreserven im letzten Jahr stiegen. Wenn die Regierung in Peking also einen solchen Anstieg nicht will, muss sie noch nicht einmal US-Staatsanleihen verkaufen, um den Fonds bestücken oder dessen Investitionen finanzieren zu können. Doch schon jetzt hat die gegenseitige Abhängigkeit von China und den USA und das Potenzial, sich gegenseitig schaden zu können, höchst brisante Dimensionen erreicht. China hat es jederzeit in der Hand, den US-Anleihemarkt in Turbulenzen und den Dollar in den Keller zu schicken. Peking wird diese Macht unter normalen Umständen aber nie ausspielen, weil es sich damit eben auch selbst schaden würde.

Wenn die Regierung die 200 Milliarden Dollar, die vermutlich nur der Anfang sind, für strategische Zwecke einsetzt, ergibt sich eine viel drängendere Herausforderung. Die Sicherung der Rohstoffversorgung ist ein nahe liegendes und in China viel diskutiertes Ziel, wenn man so viel Geld zu investieren hat. In Afrika zum Beispiel konkurrieren Regierungen und Unternehmen der übrigen Welt in einem destruktiven Gegeneinander um politischen Einfluss und strategisch wichtige Bodenschätze und wirken dadurch am Niedergang des Kontinents mit. Ein neuer Spieler kann hier alles aufmischen, wenn er wie China ohne große Restriktionen riesige Geldbeträge einsetzen kann.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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