China
Nicht per Ukas

  • 0

Wenn Politikern hierzulande nichts Rechtes mehr einfällt, richten sie einen Arbeitskreis ein. In China gründen sie gleich ein Nationales Amt. Seine Funktion: die Korruption eindämmen. Das ist fürwahr eine Herkulesaufgabe. Denn die Hand für Gefälligkeiten im kleinen oder großen Stil aufzuhalten ist Alltagsgepflogenheit in China – vom Polizisten bis zum Politiker. Mit drakonischen Strafen, mit denen die Regierung das Übel bislang bekämpft hat, kommt sie kaum weiter. Selbst die Todesstrafe schreckt nicht ab. Doch ob eine Behörde nun die Korruption ausmerzen kann, ist höchst fraglich.

China ist in den vergangenen drei Jahrzehnten ungeheuer schnell gewachsen. Zu schnell für eine ausgewogene Gesellschaftsstruktur. Im Land hat sich eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich aufgetan. Und sie wird ständig größer. Längst nicht alle Bevölkerungsschichten nehmen am Wohlstand teil. Die einen wollen daher mehr vom Kuchen, die anderen können den Hals nicht voll genug bekommen. Die hierarchisch aufgebaute Gesellschaft, die Arbeitsweise der Kommunistischen Partei, die Willkür von Behörden bieten idealen Nährboden für Machtmissbrauch.

Es ist weniger eine Behörde notwendig, um den Sumpf trockenzulegen, als eine vielschichtige Politik, die Bildung und Rechtsempfinden ebenso wie soziale Gerechtigkeit und Ehrlichkeit stärken muss. Erst wenn nicht nur die Furcht vor Sanktionen und behördlichen Kontrollen der Vetternwirtschaft den Boden entziehen, sondern die moralische Überzeugung wächst, dass Korruption wie ein Krebsgeschwür in der Gesellschaft wuchert, dürfte die Kampagne erfolgreich verlaufen.

Aber wie schwer es ist, tiefverwurzelte schlechte Gewohnheiten auszumerzen, erlebt gerade auch ein deutscher Konzern – Siemens. Vom neuen Amt im großen China sollte man daher nicht zu viel erwarten. Per Ukas wird die Korruption nicht verschwinden.

Kommentare zu " China: Nicht per Ukas"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%