China
Olympischer Spießrutenlauf

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Eine Reise der Harmonie rund um den Erdball soll der Fackellauf mit dem olympischen Feuer werden. Doch wenn sich Chinas Organisatoren da mal nicht gewaltig täuschen. Schon der Auftakt auf dem Platz des Himmlischen Friedens verlief unter der Aufsicht einer Heerschar von Sicherheitskräften alles andere als harmonisch. Zu einem wahren Spießrutenlauf für die Fackelträger könnte sich die Stafette über fünf Kontinente entwickeln, wenn die Proteste gegen Chinas Menschenrechtspolitik anhalten.

Und das zu Recht.Denn Chinas Führung trägt nichts zur Entspannung der Tibet-Krise bei. Weder im Hochland selbst noch mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Nach wie vor reagiert die Regierung überaus beleidigt und gereizt auf alle Appelle, einen Dialog mit dem Dalai Lama, dem spirituellen Führer der Tibeter, aufzunehmen. Nach wie vor weist sie alle Mitverantwortung für die Gewalt auf dem Dach der Welt zurück. Je mehr sich China hinter eigener Empörung über ausländische Medien und Politiker verschanzt, desto deutlicher wird, dass eine politische Lösung der Tibet-Krise in weite Ferne rückt.

Man sollte China daher nicht den Gefallen erweisen, einfach zur Tagesordnung zurückzukehren. Mag die chinesische Regierung auch noch so laut über die „Einmischung in innere Angelegenheiten“ lamentieren, es bleibt westlichen Politikern gar nichts anderes übrig, als von Peking beharrlich die Einhaltung der Menschenrechte einzufordern. Und das umso nachdrücklicher, je näher die Spiele rücken. Wer da ein wirksames Druckmittel voreilig aus der Hand gibt, handelt ganz im Sinne der chinesischen Machthaber. Und wenn schon ein Boykott der Spiele nicht infrage kommt, dann dürfen westliche Politiker bei deren Eröffnung nicht auch noch einen Kotau vor den Mandarinen in Peking machen.

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