China: Reich der Fälscher

China
Reich der Fälscher

Gleich mehrere internationale Marken haben jüngst im Kampf gegen Chinas Produktpiraten Punktsiege verbuchen können. Die Modefirmen Gucci, Prada, Louis Vuitton, Burberry und Chanel bekamen von einem chinesischen Gericht ebenso eine Entschädigung wegen Fälschungen zugesprochen wie der italienische Süßwarenhersteller Ferrero, der im Reich der Mitte schon seit Jahren gegen Pralinen zu Felde zieht, die wie Ferrero-Küsschen verpackt sind.

Auch die US-Kaffeehauskette Starbucks konnte sich erstmals vor Gericht gegen einen chinesischen Rivalen durchsetzen und Schadensersatz erkämpfen. Das Unternehmen aus Schanghai bietet seit längerem Kaffee unter einem täuschend ähnlichen Logo an. Das sei dann doch ein wenig zu viel, urteilten die Richter.

Geht Peking also den Kopierern wirklich an den Kragen? Die Urteile sind für die einzelnen Unternehmen und für einen fairen Welthandel wichtige Signale. Sie bleiben aber zunächst Episoden in einem großen Geschäft. Denn ob Luxus-Täschchen, Bordeaux-Rotwein, Bad-Armaturen oder Rolex-Uhren: 70 Prozent aller weltweit gefälschten Artikel kommen aus China.

Um den vielen illegalen Fälscherwerkstätten das Handwerk zu legen, reichen die wenigen Klagen also nicht aus. Interessant sind die Entscheidungen zu Gunsten der fünf Luxusartikelhersteller dennoch. Denn erstmals wurden nicht die Fälscher der Produkte verurteilt, sondern die Verkäufer – der Betreiber der Pekinger „Silk Street“, dem weltweit größten Einkaufszentrum für Plagiate. In Schanghai droht einem anderen beliebten Shopping-Center sogar das Aus wegen angebotener Fälschungen von Designer-Artikeln.

Was die jüngsten Urteile, die noch nicht in letzter Instanz entschieden sind, jedoch wirklich wert sind, kann nur die Zukunft erweisen. Erst wenn sie umgesetzt werden, Märkte wirklich geschlossen und regelmäßig Razzien durchgeführt werden und das Gesetz auch auf andere Fälle angewandt wird, kann man von einer „effektiven Warnung“ sprechen. Dies macht – ein wenig voreilig – bereits jetzt schon die WTO.

Unklar sind auch die Motive für die Urteile. Sind die Richter wirklich vom Wettbewerbsargument überzeugt? Oder hat die kommunistische Führung in Peking schlichtweg den neuen Kurs angeordnet? Der Ruf, die Fälscherwerkstatt der Welt zu sein, wurmt die immer mächtiger werdende Wirtschaftsmacht. Das passt nicht zum Fair Play der nächsten Olympischen Spiele. Imagekosmetik ist deshalb dringend nötig.

Aber wenn es den Chinesen tatsächlich um einen besseren Markenschutz geht, dann müssen auch die Strafen gegen Nachahmer und Fälscher verschärft werden. Die fünf genannten Modefirmen erhalten eine Entschädigung von jeweils nur rund 2 000 Euro. Ein Witz. Die Shanghai Xingbake Coffee Company muss an Starbucks zwar 51 000 Euro zahlen. Aber das bereitet der brummenden Kaffeehaus-Kopie keinerlei Probleme.

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