Chinas Raubtierkapitalismus
Der Drache im Spagat

Der größte Kurseinbruch, den Chinas Boom-Börse seit zehn Jahren erlebt hat, zeigt mit aller Deutlichkeit: Von wirtschaftlicher Sicherheit ist das Land noch weit entfernt. So lange die Führung sich an ihren Machtanspruch klammert, können Ereignisse wie der gestrige Börsensturz sich jederzeit wiederholen. Eine Analyse.

Erst langsam entstehen die Grundlagen für Rechtssicherheit. Chinas Scheinparlament, der Nationale Volkskongress, wird in der kommenden Woche über ein Eigentumsgesetz entscheiden – nach fünfjährigem erbittertem Tauziehen.

Selbst nach mehr als 20 Jahren Reformpolitik ist die rechtliche Basis für Chinas „sozialistische Marktwirtschaft“ rudimentär. Wie sonst ist der Wildwuchs zu erklären, der das Bild des modernen Chinas prägt. Klagen über Mängel im Rechtssystem gibt es zuhauf: beim Schutz des geistigen Eigentums, im Umweltschutz, bei der Überwachung der Finanzmärkte, die Zockern ein offenes Spielfeld bieten, bei der Eindämmung der endemischen Korruption.

China befindet sich immer noch in einer Experimentierphase. Und die lässt die Brüche in der Gesellschaft deutlicher zu Tage treten als je zuvor. Einer wachsenden Schicht neureicher Unternehmer, die ihren Wohlstand offen zur Schau stellen, steht ein Heer aus verarmter Landbevölkerung und schlecht ausgebildeten Arbeitern gegenüber.

Die soziale Kluft reißt immer weiter auf. Sie entlädt sich in Gewalt auf der Straße und in einer grassierenden Korruption. Bestechliche Funktionäre bedienen das Klischee einer unzuverlässigen Staatselite. Selbst wenn moderne Gesetze auf dem Papier stehen, werden sie fernab Pekings regelmäßig unterlaufen.

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