Chinesische Hacker
Delikater Angriff

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Stimmen die Berichte über die chinesische Cyber-Attacke auf das Pentagon und lahmgelegte Rechner von Verteidigungsminister Robert Gates, dann müssten im Weißen Haus die Alarmglocken läuten. Denn beim Eindringen in den innersten Ring der Sicherheitszone geht es um viel mehr als nur einen prestigeträchtigen Hackerangriff. Es geht um die Verletzlichkeit der US-Streitmacht. Wenn bereits die Hochsicherheitseinheit des Pentagon-Chefs geknackt werden kann, dann sind auch die Navigations- und Kommunikationssysteme der US-Army nicht mehr sicher.

Natürlich werden die USA nicht offenlegen, wie tief die Angreifer in das Netzwerk hineinschauen konnten. Und es verwundert auch nicht, dass die Angelegenheit in Washington zunächst tiefer gehängt wurde. Zum einen, weil sie die Schwächen des amerikanischen Schutzes gegen Computerattacken offenlegt. Aber auch, weil die Beziehungen zwischen den USA und China derzeit ohnehin höchst delikat sind und Datenraub, auch mit wirtschaftlichem Hintergrund, sie weiter belastet.

In diesen Tagen begegnen sich die Staatschefs beider Länder auf dem Apec-Gipfel in Sydney – eine Gelegenheit für Washington und Peking, ihr Verhältnis neu zu sortieren. Es ist von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Die Amerikaner klagen über ihr hohes Handelsdefizit mit China, die Chinesen halten den USA deren Taiwan-Politik vor, sehen in ihnen vor allem Konfliktpartei und Konkurrent.

Der Hacker-Angriff macht deutlich, auf welch gefährlichem Grat sich die amerikanisch-chinesischen Beziehungen bewegen. Es ist zu hoffen, dass das Weiße Haus trotz der heiklen Umstände die elektronische Attacke gebührend ernst nimmt: Militärische und wirtschaftliche Interessen stehen auf dem Spiel.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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