Chrysler
Erfolg oder Exit

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Wohin führt es, wenn Höllenhunde ein Himmelfahrtskommando übernehmen? Der Finanzinvestor Cerberus hat am ersten Tag der feierlichen Chrysler-Übergabe noch Herzlichkeiten verbreitet, die umgehend und überraschend die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) erwidert hat. „Wir glauben an Chrysler!“ hieß es da aus beiden Lagern.

Für einen Tag hat das darbende Automekka Detroit ausgeblendet, dass da ein chronisch kranker Konzern den Besitzer wechselt und der Vorbesitzer Daimler noch 650 Millionen Dollar drauflegt. Der Finanzinvestor Cerberus muss nicht nur Chrysler, sondern der gesamten US-Autoindustrie zeigen, wie man trotz gravierender struktureller Nachteile gegen die besten Autokonzerne der Welt zu einem konkurrenzfähigen Hersteller aufsteigen kann. Die Aufgabe ist vorsichtig ausgedrückt sehr ambitioniert. General Motors, Ford und Chrysler sitzen auf fast 100 Milliarden Dollar an Pensionslasten und haben allein 2005 und 2006 deutlich zweistellige Milliardenverluste aufgetürmt. Das sind Zahlen, die auch den Pförtnern in Detroit deutlich machen: Bis zur Schließung der letzten Werkstore ist es nicht mehr allzu weit.

Ford hat nach einem Rekordverlust von mehr als zwölf Milliarden Dollar bereits wichtige Vermögenswerte bis hin zum blauen Firmenlogo verpfändet, um ein letztes Mal Kapital für eine Kernsanierung zu erhalten. Der Nachbar Chrysler war in der Vergangenheit kaum besser, allenfalls besser versteckt unter dem Dach des Stuttgarter Daimler-Konzerns.

Chrysler beklagt gegenüber dem Branchenvorbild Toyota Nachteile bei den Personalkosten von 30 Dollar pro Stunde. Die Lücke könnte sich bald auf 45 Dollar pro Stunde erhöhen, weil Chrysler inzwischen 84 000 Pensionäre mit Renten, Gesundheitsaufwendungen und Gruppen-Lebensversicherungen versorgt – Tendenz steigend. Vor dieser Ausgangsposition ist der unter Daimler-Regie entworfene Sanierungsplan von 13 000 Stellenstreichungen ein chirurgischer Mini-Eingriff ohne nennenswerte Erfolgschance.

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