Chrysler-Restrukturierung
Weg mit dem Schafspelz!

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NEW YORK. Wer sich an den Tag der feierlichen Chrysler-Übergabe von Daimler an Cerberus erinnert, dem liegen die Flötentöne noch in den Ohren. Natürlich sei nicht daran gedacht, das von Daimler ausgeheckte Sparprogramm zu verschärfen, betonten die neuen Eigentümer. UAW-Gewerkschaftspräsident Ron Gettelfinger schrieb sogar, der Verkauf an Cerberus werde „den Interessen unserer Mitglieder (…) am besten gerecht“.

Dass die Herzlichkeiten im maroden Automekka nur gespielt waren, sollte auch den Pförtnern rund um Detroit bewusst gewesen sein. Robert Nardelli, Spitzname "General", ist nicht zu Chrysler gekommen, um seine Home-Depot-Abschiedsprämie unter der Belegschaft zu verteilen. Er zieht das durch, was der Eigentümer von ihm erwartet: eine eiserne, emotionslose Sanierung jenseits der Börse. Den Schafspelz hat der neue Konzernchef deshalb nur so lange getragen wie unbedingt nötig. Noch keine Woche ist der neue Tarifvertrag mit der UAW unter Dach und Fach, schon wird der bisherige Sanierungsplan bei Chrysler pulverisiert und um den Abbau von bis zu 11 000 weiteren Stellen ergänzt.

Das ist so schmerzhaft wie erwartungsgemäß - wenn Höllenhunde ein Himmelfahrtskommando übernehmen. Die Sanierungsexperten von Cerberus sind gehörig unter Druck, auf der einen Seite: Das Modell-Portfolio von Chrysler ist mies, die Verkaufszahlen sind im freien Fall, die Kosten angesichts pausierender Endmontagen viel zu hoch. Auf der anderen Seite treibt Cerberus nun die ganze US-Autoindustrie vor sich her.

Wenn sich General Motors und Ford nicht bald ähnlich verschlanken und auf ihre gesunkenen Marktanteile ebenso radikal reagieren, kann Chrysler die schwere Krise als Kostenführer überstehen. Das muss nicht heißen, dass aus Chrysler nochmal ein glänzender Stern am US-Autohimmel wird. Es wäre aber allemal ein nettes Verkaufsargument für Cerberus, um sich aus dem Detroit-Abenteuer mit Gewinn zu verabschieden.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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