Commerzbank
Kommentar: Vor härteren Zeiten

Keine Frage, man darf Klaus-Peter Müller gratulieren. Der in den Aufsichtsrat wechselnde Commerzbank-Chef hat anders als Kollege Josef Ackermann zwar keinen Geburtstag zu feiern. Doch am Valentinstag zeigt sich: Auch Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus hat die Finanzkrise einigermaßen ordentlich überstanden.
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Keine Frage, man darf Klaus-Peter Müller gratulieren. Der in den Aufsichtsrat wechselnde Commerzbank-Chef hat anders als Kollege Josef Ackermann zwar keinen Geburtstag zu feiern. Doch am Valentinstag zeigt sich: Auch Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus hat die Finanzkrise einigermaßen ordentlich überstanden.

Unter dem Strich bleibt ein Rekordgewinn von gut 1,9 Mrd. Euro. Und das obwohl knapp 800 Mill. Euro Wertberichtigungen auf Subprime-Anlagen anfielen – drei Viertel davon ergebniswirksam. Lob verdient in diesem Zusammenhang übrigens auch die Transparenz: So offen wie heute war die Commerzbank in den ersten Monaten der Krise nicht immer. Einige Institute, etwa aus dem öffentlich-rechtlichen Lager, sollten sie sich als Vorbild nehmen. Mit Müller freuen können sich schließlich auch die Aktionäre. Ihre Dividende soll um ein Drittel auf einen Euro zulegen.

Doch für die Commerzbank wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das zeigt alleine der Blick auf das Schlussquartal, wo der Gewinn nicht zuletzt wegen der Subprime-Krise kräftig einbrach. Mit hoher Sicherheit wird sich das zwar nicht in diesem Umfang fortsetzen. Aber wie vorsichtig Müller berechtigter Weise ist, zeigt ein genauer Blick in die Zahlen. Für den Hauptertragsbringer – das Mittelstandsgeschäft – wird 2008 nur noch ein Ergebnis von mindestens einer Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Damit liegt die Messlatte um ein Fünftel tiefer als im vergangenen Jahr. Die Gründe hierfür sind einfach: Die Finanzkrise wird die Konjunktur belasten und die Kreditnachfrage schmälern. Gleichzeitig dürfte die zuletzt fast historisch niedrige Vorsorge für faule Kredite steigen. Hinzu kommt der aufwändige Umbau des Staatsfinanzierungsgeschäfts, in dem offenbar einiges mehr im Argen liegt, als zunächst angenommen.

Wenn Müller für 2008 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau anstrebt, dann erscheint dies erreichbar. Schließlich dürften Subprime-Belastungen wie im Vorjahr nicht nochmals auftreten. Es zeigt aber auch, in welche Richtung der Trend nach Jahren der Zuwächse geht – nämlich nach unten.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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