Commerzbank
Kommentar: Wider die eigenen Ansprüche

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Endlich ist es raus: Die Commerzbank muss wegen der Finanzkrise 291 Mill. Euro abschreiben. Das ist alles andere als ein Drama – Deutschlands zweitgrößes Geldhaus gerät dadurch nicht ins Wanken. Klar deutlich wird das an der Tatsache, dass die Commerzbank ihr Renditeziel für das laufende Jahr nochmals bekräftigt hat. Und schließlich glaubte zuletzt sowieso niemand mehr an die bis vor kurzem noch erzählte Mär von 80 Mill. Euro an Wertberichtigungen.

Doch halt, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hat schon frühzeitig Anfang September mehr Transparenz von der Branche angemahnt. Das hat umso mehr Gewicht, als dass der 63-Jährige als BdB-Präsident ihr höchster Vertreter in diesem Land ist. Da sollte man dann auch mit gutem Beispiel voran gehen.

Nun mag sein, dass die – vielleicht vorschnell genannten – 80 Millionen Euro tatsächlich nur eine erste, grobe Schätzung waren. Und, sicherlich, im Nachhinein weiß man immer vieles besser. Das gilt nicht zuletzt für Wirtschaftsmedien und Analysten. Doch richtig ist eben auch, dass die Commerzbank zunächst massiv dementiert hat, ihr könnten höhere Abschreibungen drohen. Von der Ankündigung „etwaiger zusätzlicher Belastungen“ in Folge der Krise bis zum klaren „Das wird nicht reichen“ vergingen dann nochmals mehrere Wochen.

Salami-Taktik nennt man das. Die von Müller aufgestellte Transparenzforderung erfüllt die Commerzbank selbst auf jeden Fall nicht. Das ist traurig, weil es just an dem Tag sichtbar wird, an dem der Commerzbank-Chef seinen geplanten Wechsel an die Aufsichtsratsspitze ankündigt. Und es eigentlich genügend außergewöhnliche Leistungen des Rheinländers zu würdigen gäbe. Vor allem aber trifft das Malheur nun die Bank, die – das sei unterstellt – eigentlich nur so schnell und transparent wie möglich ihre Belastungen offenlegen wollte. Am Ende fehlte wohl einfach der Mut, nachzubessern und alle Karten auf den Tisch zu legen.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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