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Commerzbank: Vage Visionen statt klare Konzepte

Die Commerzbank baut erneut um. Geschäfte mit Privatkunden und dem Mittelstand sollen die Zukunft sein. Doch mit ihren Visionen verliert die Bank die Realität aus dem Blick. Ein Kommentar.

Die Visionen von Commerzbank-Chef Martin Blessing greifen in der Realität nicht. Quelle: dapd
Die Visionen von Commerzbank-Chef Martin Blessing greifen in der Realität nicht. Quelle: dapd

Sonderbelastungen und ein schwieriges Marktumfeld sollen es gewesen sein. Deshalb erwirtschaftet die Commerzbank 2012 nur einen Nettogewinn von sechs Millionen Euro. Sonst ist alles in Ordnung, gibt sich Vorstandschef Martin Blessing überzeugt. Operativ stehe die Bank solide da. Die Kernbank erwirtschafte ein zufriedenstellendes Ergebnis.

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Doch nichts ist in Ordnung im Hochhaus der Frankfurter Zentrale. Blessing und Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller bauen die Bank um – einmal mehr, nach der desaströsen Übernahme der Dresdner Bank. Einmal mehr streichen sie Stellen. Einmal mehr bitten sie die Anteilseigner um Geduld. Aber 2016 soll es dann soweit sein. Dann soll das Institut mit dem gelben Logo endlich erfolgreich sein.

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Das sollte sie auch 2012 schon sein. Milliardengewinne hatten Blessing und Müller versprochen. Am Ende steht aber eine schwarze Null. Eine erfolgreiche Umstrukturierung sieht anders aus. Nun setzen Blessing und Müller erneut die Axt an. Die Sparten Schiffsfinanzierung und gewerbliche Immobilienkredite fallen weg, Auslandstöchter werden verkauft, bis zu 6000 Stellen gestrichen.

Stattdessen besinnt sich das Geldhaus auf das Geschäfts mit den Privatkunden. Hier soll investiert werden. Die Öffnungszeiten der Filialen werden flexibler. Mehr Kunden strömen in die Filialen und nehmen dort auch mehr Dienste in Anspruch, was der Bank Geld einbringt, hofft Blessing. Auch auf Tablets und in Sozialen Netzwerken will die Bank künftig präsenter sein. Moderner und jünger soll das Institut sein.

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Dennoch träumt Blessing weiter von der Ferne: Er will den deutschen Mittelstand im Ausland begleiten. Ein Finanzzentrum in Malaysia wurde aufgebaut, Filialen in Bangladesch oder Thailand sollen hinzukommen. Auch im näheren europäischen Ausland will die Bank den Mittelstand begleiten und dort auch heimische Kunden gewinnen, etwa in der Schweiz.

Doch diese Visionen verlieren die Realität aus dem Blick und dürften künftig nur neue Probleme schaffen. Tatsächliche schrumpfen die Erträge im Geschäft mit Privatkunden - trotz steigende Neueinlagen. Der Kampf um die Kunden im europäischen Markt ist hart. Niederländische, britische und türkische Banken buhlen um Anleger und Sparer – mit Erfolg.

Commerzbank

Die Commerzbank hingegen hinkt der Entwicklung hinterher. Mühsam wird Blessing mit den Gewerkschaften um einen Umbau der Bank ringen. Das Filialgeschäft soll flexibler werden, aber das Netz doch voll erhalten werden. Das Institut will das Geschäft im Internet-Banking ausbauen, aber die durchaus erfolgreiche Online-Tochter Comdirect nicht angreifen. Die Gefahr einer Kannibalisierung? Die sei nur gering, wischt Blessing beiseite.

Überzeugende Ideen fehlen, die Kunden in die Filialen locken könnten. So verliert sich die Spitze in Detailfragen, Hoffnungswerten und einem zaghaften Mittelweg. Allenfalls eine symbolische Geste ist der Verzicht von Blessing auf den Bonus - der Einschnitt wird durch das höhere Fixgehalt wett gemacht. Die vagen Visionen können die Bank nicht retten und verstellen den Blick auf die Hauptprobleme: Eine für den schwierigen Markt strukturell schlecht gerüstete Bank sowie eine kraft- und ideenlose Führung.

  • 17.02.2013, 15:07 UhrvStillfried

    Die Großbanker Müller(Mrd Verlust Verantwortlicher wegen
    Kauf Dresdner Bank/ EuroHyp/Schiffsfinanz) und Herr Blessing(seit Jahren Luftprognosen)versrachen bereits 2013 Mrdgewinne der Commerzbank. Wieder Nichts. Jetzt soll es 2016 klappen, dass Blessings' Ergebnismärchen' wahr werden.
    Unglaublich: Die sitzen sogar das Pennystock Niveau aus.Wir Aktionäre haben durch diese Könner 70% Vermögen verloren, und Herr Blessing, lächelt bei Mio-Gehalt- die Bankprobleme weg..

  • 16.02.2013, 10:21 UhrGEOWI

    Ein Buchhalter bleibt ein Buchhalter und kein Unternehmens-
    lenker. ( auch wenn man ein Blessing ist ) )

    Das sollte der Aufsichtsrat doch nun endlich erkennen;auch
    wenn man ihn selbst empfohlen hat.
    GEOWI

  • 15.02.2013, 13:48 UhrOldi

    zitat....Doch mit ihren Visionen verliert die Bank die Realität aus dem Blick....

    So unterschiedlich ist der Blickwinkel. Ich vermisse Visionen.^^

    Zitat...Dennoch träumt Blessing weiter von der Ferne: Er will den deutschen Mittelstand im Ausland begleiten. Ein Finanzzentrum in Malaysia wurde aufgebaut, Filialen in Bangladesch oder Thailand sollen hinzukommen. Auch im näheren europäischen Ausland will die Bank den Mittelstand begleiten und dort auch heimische Kunden gewinnen, etwa in der Schweiz......

    Ich finde den Ansatz nicht schlecht, allerdings kenne ich auch keine Zahlen bzw. Einzelheiten. Ob die Cobank sich mit anderen Banken messen kann, ist eine ganz andere Frage. Die Kasikornbank in Thailand ist im 21 Jh. angelangt. Die Cobank dagegen versucht sich auf dem Stand des letzten Jahrtausend neu zu erfinden.

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