Compliance
Kommentar: Edelste Pflicht

Nach den verheerenden Skandalen um Enron und Tyco hat die US-Börsenaufsicht SEC auf der anderen Seite des Atlantiks Ernst gemacht. Ihre Entschlossenheit, für sauberes Geschäftsgebaren weltweit zu sorgen, ist mit dem Siemens-Skandal endgültig auch bei uns wirksam geworden.
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Man darf es ruhig wiederholen: Sich in der Amtsführung gesetzestreu zu verhalten gehört zu den edelsten Pflichten eines jeden deutschen Vorstandsmitglieds. Der Gesetzgeber hat dafür die schöne Begriffsbildung der „organschaftlichen Legalitätspflicht“ geschaffen. Sie muss strikt beachtet werden. Ausnahmen sind nicht erlaubt, auch keine lässlichen Sünden.

Wenn das deutsche Recht dergleichen längst fixiert hat, warum haben dann die deutschen Unternehmen in den vergangenen Monaten geradezu massenhaft damit begonnen, amerikanisch geprägte Überwachungs- und Kontrollsysteme in ihren Organisationen zu installieren? Die Antwort ist einfach: Spätestens der Siemens-Skandal hat gezeigt, dass das deutsche Recht zwar Wohlverhalten im Unternehmen verlangt, aber zu wenig Mechanismen an die Hand gibt, um dieses auch tagtäglich durchzusetzen. Insofern ist es schlüssig, dass mit dem Wort Compliance auch amerikanische Methoden zur Korruptionsbekämpfung und die dazugehörenden Persönlichkeiten Karriere bei uns machen.

Nach den verheerenden Skandalen um Enron und Tyco hat die US-Börsenaufsicht SEC auf der anderen Seite des Atlantiks Ernst gemacht. Ihre Entschlossenheit, für sauberes Geschäftsgebaren weltweit zu sorgen, ist mit dem Siemens-Skandal endgültig auch bei uns wirksam geworden. Manch einer mag darin einen neuen US-Imperialismus entdecken, manch einer überbordende Bürokratie beklagen. Dabei ist es vor allem die Globalisierung von Recht und Ordnung. Für den Exportweltmeister aber ist die Compliance-Konjunktur ein Segen. Denn eines Tages steht „made in Germany“ auch wieder als Qualitätssiegel für sauberes Geschäft. Es gibt wirklich Schlimmeres.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter

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