Computermesse
Bewährungsprobe für Mr. Cebit

Ein dickes Fell gehört bei diesem Job unbedingt dazu. Und eine gewisse Beharrlichkeit. Ernst Raue hat beides. Gott sei Dank, muss man wohl sagen. Er ist Chef der weltgrößten Computermesse Cebit. Und die hat seit einiger Zeit nicht gerade die beste Presse - 2008 ist ein Jahr der Bewährung.

HANNOVER. Seit Jahren gehen die Ausstellerzahlen zurück, schrumpft die Fläche, auf denen die Unternehmen der ITK-Branche ihre Produkte zeigen. Auch in diesen Tagen findet sich der eine oder andere ungenutzte Fleck in den Hannoveraner Messehallen.

Doch Raue lässt sich nicht beirren. "Die Cebit ist nach wie vor die größte IT-Messe der Welt", hält er gegen. Und bekommt dabei Unterstützung aus der IT-Industrie. "Die Cebit ist ein Glücksfall für uns", sagt beispielsweise August Scheer, -Wilhelm der Präsident des Branchenverbandes Bitkom. Für Raue ist sowieso nicht entscheidend, wie viele nach Hannover kommen. Wichtig sei, dass die Richtigen kämen, kontert er die Kritik an seiner Messe.

Dennoch: 2008 ist ein wichtiges Jahr für die Cebit und für Raue. Es ist das Jahr der Bewährung. Der 53-jährige war es, der die neue Strategie der ITK-Schau maßgeblich entworfen hat. Das war kurz vor Weihnachten im Jahr 2006. Die Kritik an der Ausrichtung der Messe war bedrohlich angeschwollen. Raue verfasste einen Brandbrief an die Aussteller, kündigte einen radikalen Kurswechsel an.

Ein Zurück zu den Wurzeln als Fachmesse soll nun Besserung bringen. Doch der Spagat, den der leidenschaftliche Oldtimer- und Motorradfan bewältigen muss, ist enorm. Auf der einen Seite ist die ITK-Industrie ein Sammelsurium zahlloser Einzelthemen und Schwerpunkte. Hier das richtige Publikum an die richtige Stelle zu lenken, ist alleine eine Herkulesaufgabe. Auf der anderen Seite sind da die Interessen der Aussteller, die unterschiedlicher kaum sein können. Während SAP nur Fachbesucher interessiert, will - ein paar Meter weiter - Microsoft auch den Konsumenten begrüßen. Und dann gibt es da noch die Messe Hannover, für die die Cebit Hauptumsatzträger ist - für die die Messe also möglichst groß bleiben sollte.

Raue weiß um die Herausforderung, kennt er doch das Messewesen wie kaum ein anderer. Nach einer Lehre zum Industriekaufmann und ersten Berufsjahren in der Kunststoffindustrie wechselt er zur Deutschen Messe. Dort betreut er zunächst die Vermarktung der Stände. 1986 holt ihn der damalige Cebit-Chef Helmut Lange zur IT-Messe. Im Jahr 2000 wird er Vorstandsmitglied der Messe, 2002 dann Nachfolger von Lange - just in dem Jahr, mit dem der Schrumpfkurs der Messe begann.

"Es reicht mittlerweile eben nicht mehr, nur noch eine Halle aufzuschließen", bringt Raue seine Aufgabe in nur einem Satz auf den Punkt. Dass er für den Job der richtige Mann ist, davon sind in der Branche offensichtlich die meisten überzeugt. Gerade erst wurde sein Vertrag um fünf Jahre verlängert. "Raue besitzt vor allem eines: diplomatisches und politisches Geschick", beschreibt ein IT-Manager den gelernten Industriekaufmann. Die "stille Kraft hinter der Cebit" wird er in der Branche deshalb genannt, oder "der stille Mr. Cebit".

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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