Continental
Schaeffler und der Gewaltakt

Der Einstieg des Familienunternehmens ist professionell geplant, er beweist industrielle Logik und auch auf die Finanzfragen dürften die beratenden Investmentbanker schlüssige Antworten gefunden haben. Und doch sind Zweifel erlaubt, ob eine Übernahme von Continental eine Erfolgsgeschichte für Schaeffler werden kann. Denn es prallen Welten aufeinander.
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Respekt, Frau Schaeffler. Der Vorstoß ist mindestens wagemutig, vielleicht sogar ein bisschen übermütig. Oder ist es gar eine tollkühne Attacke?

Der unfreundliche Versuch des Wälzlagerherstellers Schaeffler, den Automobilzulieferer Continental zu übernehmen, markiert einen Einschnitt in der bundesdeutschen Unternehmensgeschichte. Niemals zuvor – der Sonderfall Porsche und VW sei ausgeklammert – hat ein Familienunternehmen versucht, sich einen der großen börsennotierten deutschen Konzerne zu schnappen, um ihn, so das erkennbare Szenario, von der Börse zu nehmen.

Einmal mehr beweist damit das, was vereinfachend „deutscher Mittelstand“ genannt wird, enorme Widerstandskraft. Denn entgegen landläufigen Prognosen, die ein Absterben des industriellen Deutschlands prophezeiten, gehören viele deutsche Familienunternehmen zu den Gewinnern der Globalisierung.

Die großen Geschichten aus den Häusern Daimler, Siemens oder Volkswagen haben in den vergangenen Jahren zumeist verdeckt, dass im industriellen Kern dieses Landes bemerkenswerte Erfolgsgeschichten geschrieben worden sind – und das nicht nur im Dutzend, sondern hundertfach. Überall im Land sind kleine bis mittelgroße Weltmarktführer entstanden, hochinternationalisiert, hochspezialisiert, hocherfolgreich. Es ist eine Art zweites deutsches Wirtschaftswunder; kein Land, das von den Ausrüstungsinvestitionen der wachstumshungrigen Asiaten mehr profitiert hätte als unseres.

Im Kreis dieser Globalisierungsgewinner ist Schaeffler einerseits ein Paradebeispiel, andererseits auch eine Ausnahme. Denn die Nummer zwei für Kugellager weltweit ist ja kein ganz normales Familienunternehmen mehr. Die Provinzperle aus Franken gehört zu den größten, attraktivsten, aber auch verschlossensten deutschen Firmen, hat bei der Übernahme des Konkurrenten FAG Kugelfischer vor gut sechs Jahren gleichzeitig alle Tricks und Finessen kennengelernt, die auf dem internationalen Finanzparkett üblich sind.

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