Contra Hoeneß
Uli, bitte abtreten

Die Finals sind gespielt, nun müssen der FC Bayern und seine Sponsoren die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. An diesem Sonntag wäre ein guter Tag für Bayern-Präsident Uli Hoeneß, um abzutreten.
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Große Männer erkennt man an ihren mutigen Entscheidungen. An diesem Sonntag, wo ganz München im Freudentaumel ist, wäre ein guter Tag für Uli Hoeneß, um sich als Präsident des FC Bayern zu verabschieden.

Nie war die Gelegenheit so günstig wie heute. Viel höher kann selbst für den erfolgsverwöhnten FC Bayern nicht mehr gehen. Meisterschaft, DFB-Pokal, Champions League – alles, was in diesem Jahr zu gewinnen war, wurde gewonnen. Uli Hoeneß, der Mann der den Verein hierhin geführt hat, könnte als Legende abtreten – bevor das Verfahren wegen Steuerhinterziehung, das gegen ihn eingeleitet wurde, den Glanz der Pokale überschattet.

Ein Verfahren, das den Präsidenten des Triple-Gewinners im schlimmsten Fall hinter Gitter bringen könnte. Dass der Bayern-Präsident die großen Auftritte seiner Mannschaft überhaupt im Stadion und nicht in Untersuchungshaft mitansehen durfte, ist nur einer Millionenkaution zu verdanken. Ein Haftbefehl lag vor.

Einen Vergleich der Hoeneß-Verteidiger, der dem Bayern-Präsidenten eine Bewährungsstrafe eingebracht hätte, wurde von der Staatsanwaltschaft bereits abgelehnt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte Hoeneß nach dem Verfahren ein vorgestrafter Steuerhinterzieher sein. Das ist keine Vorverurteilung, sondern die nüchterne Bewertung der bisher bekannten Fakten. Welchem Spitzenmanager, oder welchem Politiker würde man eine derartige Straftat durchgehen lassen? Und wie mutig ist eine Selbstanzeige, die keine Konsequenzen nach sich zieht?

Es geht um mehr als Gerechtigkeit gegenüber den ehrlichen Steuerzahlern, sondern auch um die Glaubwürdigkeit der Sponsoren. Adidas, Allianz, Audi, Telekom und Volkswagen – diese fünf deutschen Großunternehmen sind die größten Sponsoren der Münchener, gleich vier davon sitzen im Aufsichtsrat des FC Bayern. Dass diesen fünf deutschen Vorständen der Mut fehlte, die eigenen Grundsätze einer sauberen Unternehmensführung durchzusetzen, ist peinlich genug für die Deutschland AG. Die Finals sind gespielt: Nun muss es darum gehen, auch die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Es stimmt: Uli Hoeneß ist das Gesicht des FC Bayern. An der Spitze des Clubs ist er scheinbar unersetzlich. Doch das darf kein Argument sein, seine Straftaten zu tolerieren. All seine Verdienste könnten das Strafmaß mildern, nicht aber die eigentliche Tat relativieren. Uli Hoeneß hat den FC Bayern an die Spitze des europäischen Fußballs geführt. Nun muss er die mutigste Entscheidung seines Lebens treffen – und abtreten.

Kommentare zu " Contra Hoeneß: Uli, bitte abtreten"

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  • @thomas

    Es steht doch richtig im Artikel, dass die Allianz zu den Sponsoren gehört. In der Auflistung werden 5 Dax-Konzerne erwähnt und vier davon sitzen im Aufsichtsrat.

    Im Radsport haben sich Sponsoren von Dooping-Sündern distanziert und ihre Sponsorengelder gestrichen. Von der Allianz könnte man nun genau das Gleiche erwarten. Solange ein Fussballverein mit Vorbildcharakter Steuerhinterzieher auf dem obersten Kontrollposten beschäftigt, ist dieser Verein mit Sicherheit ein Vorbild, wie man sich über bestehende moralische Wertvorstellung wie Gesetze/Verpflichtungen gem. Corporate Governance hinwegsetzt. Die Maßstäbe des FCB sind doch mehr als zweifelhaft. Hoeneß selbst unterstreicht mit jedem Tag der Verweildauer auf seinem Posten, dass er die Maßstäbe für sein eigenes moralisches Verhalten auf kriminellem Niveau ansetzt. Mit seinem Abtritt könnte er sich davon distanzieren und seinem Handeln mit der Selbstanzeige Glaubwürdigkeit verleihen.

    Man kann nur hoffen, dass dieser Mann für lange Zeit Kleidung mit einer Nummer trägt und leckere Kantinenkost aus der Gefängniskantine bekommt. Da kann er dann auch gleich resozialisiert werden.

    PS. 3-Streifenanzüge für den Knast kann ihm ja Adidas spendieren!

  • Geld korrumpiert die Macht, welche nur geliehen, stets als Eigenleistung verkauft wird. Solche Lloyds, wie nun auch Hoeneß, sie sind ein vortrefflicher Werbeträger (auch Einnahmen) einer ganz bekannten Klebstoff-Marke. Nicht wirklich oder?

  • Lieber Herr Bay,

    die Allianz ist nicht im Aufsichtsrat vertreten.

    http://www.fcbayern.telekom.de/de/verein/ag/organe/00158.php

    Viele Grüße

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