Credit Suisse
Kommentar: Ein folgenschweres Eigentor

Die Credit Suisse hat es sechseinhalb Monate lang geschafft als eine der Banken in der Finanzkrise dazustehen, die mit einem blauen Auge davon kommt. Vorbei. Besonders peinlich ist, wie das Eingeständnis zustande kam.
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Das war's. Die Credit Suisse hat es sechseinhalb Monate lang geschafft als eine der Banken in der Finanzkrise dazustehen, die mit einem blauen Auge davon kommt. Sicher - ein paar Milliarden wurden in den Sand gesetzt. Aber das war nichts im Vergleich zur gebeutelten Konkurrenz. Es wurde zudem scheinbar stets sauber kommuniziert und nicht scheibchenweise gegenüber einer immer mißtrauisch werdenderen Öffentlichkeit eingestanden. Noch in der vergangenen Woche punktete die Credit Suisse mit einem glanzvollen Jahresergebnis, zu dessen Präsentation ein kraftstrotzende Vorstand angetreten war.

Vorbei. Seit heute morgen ist klar, dass auch die zweite Schweizer Großbank tiefer im Sumpf sitzt, als sie bisher glaubhaft machen wollte. Besonders peinlich ist, dass das Eingeständnis nur unter Druck von außen zustande kam: Die Bank wollte ein Anleihe auf den Markt bringen und sah sich gezwungen Investoren darüber zu informieren, was tatsächlich bei ihr los ist.

Dabei spielt es von außen betrachtet keine Rolle, ob das Management möglicherweise ahnungslos war und nun erst den risikofreudigen Fehlentscheidungen einiger Händler auf die Spur gekommen ist oder ob auch die Führung schon länger wusste, was lief, aber nach außen dicht gehalten hat. Tatsache ist, dass auch die Credit Suisse ihre Risikokontrolle nicht unter Kontrolle hat.

Wie bei den anderen internationalen Geldkonzern auch besteht nun der Gau nicht im Verlust von mehr oder weniger vielen Milliarden. Die lassen sich für die Schweizer Banken derzeit noch verkraften. Das Desaster liegt vielmehr darin, dass die Bank in sie gesetztes Vertrauen enttäuscht. Für einen Vermögensverwalter, der davon lebt, dass seine Kunden bei ihm auf Nummer sicher gehen wollen, ist das ein folgenschweres Eigentor.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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