CSU
Kein Gunther, kein Hagen

Edmund Stoiber muss sich noch nicht sorgen: Götterdämmerungen sehen anders aus. Denn in Wagners Oper gibt es drei Intriganten, auf der bayerischen Politbühne derzeit aber nur Gabriele Pauli.

In der Wagner-Oper sinnt Brünnhilde auf Rache. Sie verbündet sich mit Gunther und Hagen, verrät diesen die einzige Stelle, an der Siegfried verwundbar ist. Die verschmähte Brünnhilde gibt es bereits. Die Fürther Landrätin kennt die schwache Stelle des bayerischen Ministerpräsidenten. Urabstimmung über den Spitzenkandidaten für die nächste Landtagswahl: Das ist die Waffe, mit der sie den Siegfried der CSU zur Strecke bringen will. Nur: Sie weiß, dass sie dazu allein zu schwach ist. Und außer ein paar wackeren Lokalpolitikern aus dem München nie besonders hold gesinnten Franken will sich keiner aus der Deckung wagen. Von einem Hagen oder Gunther keine Spur.

Wer genauer hinsieht, stellt schnell fest, dass jeder der vermeintlichen Kronprinzen selbst eine verwundbare Stelle hat. Innenminister Günther Beckstein und Wirtschaftsminister Erwin Huber dürfen sich keine Hoffnung mehr machen. Keiner von ihnen konnte sich vor Stoibers geplantem, aber geplatztem Wechsel nach Berlin durchsetzen. Und Horst Seehofer, der Hoffnungsträger des sozialen Flügels in der CSU, ist in der mächtigen Landtagsfraktion nicht gerade beliebt. Warum sollte sich das jetzt ändern? Die CSU-Fraktion würde am liebsten ihren Vorsitzenden Joachim Herrmann auf den Schild heben. Doch dieser denkt überhaupt nicht an ein solches Wagnis. Stattdessen gelobt er seinem Parteichef jeden Tag aufs Neue überschwänglich Treue. Aus gutem Grund: Als Spitzenkandidat würde Herrmann niemals ein so sensationelles Ergebnis einfahren können, wie es Stoiber bei der letzten Landtagswahl gelungen ist. Für ihn lohnt es sich zu warten, bis er den Stab vielleicht zur Mitte der nächsten Legislaturperiode übernehmen kann.

Die Fürther Landrätin darf also weiterhin ihre Ränke schmieden. Es wird sich nur keiner finden, der gegen Stoiber antreten will. Im Gegenteil: Je länger der Streit dauert, desto lauter werden schon wieder die Stimmen die sich auf die Seite des Ministerpräsidenten stellen. Denn alle wissen um die verwundbarste Stelle der CSU – der Fall unter die 50-Prozent-Marke. Dann würde nicht nur für Stoiber, sondern für die ganze Partei die Götterdämmerung anbrechen.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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