CSU
Kommentar: Stoiber wankt

Wenn der Abgang des bayerischen Wirtschaftsministers Otto Wiesheu zur Deutschen Bahn für Edmund Stoiber eine Chance bedeutet, dann seine allerletzte.

cha. Sollte der Ministerpräsident sein Kabinett nicht schnell und überzeugend erneuern, ist es wohl endgültig um ihn geschehen. Denn nach der schmachvollen Flucht aus Berlin ist nicht nur die CSU innerlich zutiefst verunsichert. Das gesamte Gefüge des Systems Stoiber ist ins Wanken geraten.

Umso mehr fehlt ihm jetzt Otto Wiesheu. Denn mit ihm geht ein Mann, der sein Skandalimage in Bayern längst abgelegt und zu einem erfolgreichen Wirtschaftsminister geworden ist, anerkannt im Mittelstand wie in der Großindustrie. Wiesheu, das war zuletzt der Industriepolitiker des Freistaats, als einer der wirklichen Erben Franz Josef Strauß’ hat er wie kein anderer die Wirtschaftspolitik Stoibers nicht nur exekutiert, sondern sie in den letzten Jahren mehr und mehr bestimmt. Er ist so zu einem Garanten des bayerischen Erfolgs geworden. Insofern bildeten Stoiber und Wiesheu ein Tandem. Für Stoiber heißt das: Ohne seinen Wirtschaftsminister wird es jetzt schrecklich einsam um ihn.

Der Ministerpräsident hat bei seinen Leuten in den vergangenen Wochen fast das gesamte von ihm in langen Jahren mühsam erworbene Vertrauenskapital vernichtet. So viele Vertraute, so viele Parteigänger in so kurzer Zeit so vor den Kopf zu stoßen, das hat in der jüngeren bayerischen Geschichte wohl keiner geschafft. Seit er feige und überstürzt weg ist aus Berlin, ist es in München schick geworden, über den zappelnden Zauderer nicht nur zu schimpfen, sondern sich über ihn lustig zu machen. Das aber muss für den vor kurzem noch Unantastbaren die größte Schmach sein. Er hat sie sich wirklich selbst zuzuschreiben.

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