D-Day-Feiern
Notwendige Annäherung

Gerhard Schröders Teilnahme an den Feiern zur Landung der Alliierten in der Normandie vollendet die Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deutschland und den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs. Die D-Day-Feiern waren das letzte Symbol dafür, dass Deutschland nicht voll zum Westen gehörte. Die historische Annäherung fällt zusammen mit einer deutlichen Entkrampfung zwischen Berlin und Washington: Deutschland wird vom Gegenspieler wieder zum Kooperationspartner der USA.

So paradox es klingen mag: Gerade weil Deutschland so selbstverständlich Teil des Westens ist wie nie zuvor, konnte die Kontroverse um den Irak-Krieg überhaupt entstehen. Mit der Rückgewinnung der vollen Souveränität 1990 wurde es notwendig, das Verhältnis zu den USA neu zu bestimmen. Deutschland schaut nicht mehr in selbstverständlicher Hintanstellung eigener Bewertungen zu den USA auf, sondern verhält sich wie ein Partner, der Kritik üben darf.

Doch derselbe Schröder, der sich schärfer von der amerikanischen Regierung distanziert hat als je ein Kanzler vor ihm, nutzt jetzt nicht die aktuelle Schwäche von Bush, sondern geht auf ihn zu. In der Debatte um die Folterungen im Irak hat sich die Bundesregierung auffällig zurückgehalten, den Entwurf der neuen Uno-Resolution hat sie von Anfang an positiv bewertet. Sie bemüht sich um eine Einigung noch vor dem G8-Gipfel kommende Woche. Die fast schon wieder wie ein Schmusekurs wirkende Berliner Politik reicht bis in die EU: Die Deutschen haben sich dort gegen den Willen des Europaparlaments für das Abkommen zum Passagierdaten-Austausch mit den USA eingesetzt.

Was viele erwartet haben, geschieht nicht: Schröder wettet nicht auf die Abwahl von Bush, mitten im Wahlkampf unterstützt er ihn eher. Das mag manch einen stören, ist aber richtig. Wenn die US-Regierung sich wieder einer multilateralen Politik nähert, muss die Bundesregierung sie darin bestärken. Die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten ist wichtiger als persönliche Antipathien, denn internationale Friedenspolitik kann es ohne die USA nicht geben. Daran hat sich seit der Landung der US-Truppen am Omaha Beach nichts geändert.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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