Daimler-Chrysler
Analyse: Showdown

Das US-Gericht muss den Vorwurf klären, ob die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler eine getarnte Übernahme war. Für viele Aktionäre ist die Frage heute allerdings viel dringlicher, ob der Zusammenschluss nicht vielleicht ein schrecklicher Irrtum war.

Der fensterlose, mit dunklem Holz getäfelte Saal des Bezirksgerichts in Wilmington wird Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp nachhaltig in Erinnerung bleiben. Der 59-jährige Top- Manager im Zeugenstand, von Kerkorians Anwälten in die Zange genommen – dieser Showdown prägt sich ein. Minutiös legte Schrempp seine Sicht der Dinge dar, wie es wirklich zuging vor fünf Jahren beim Zusammenschluss zwischen Daimler-Benz und Chrysler, und verteidigte die Fusion. Das US-Gericht muss den Vorwurf klären, ob die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler eine getarnte Übernahme war. Für viele Aktionäre ist die Frage heute allerdings viel dringlicher, ob der Zusammenschluss nicht vielleicht ein schrecklicher Irrtum war.

Vor fünf Jahren flogen noch Sektkorken, als sich Schrempp mit dem größten Zusammenschluss in der Automobilgeschichte ein Denkmal setzte. Doch der Rausch ist inzwischen verflogen. Viele Anleger sind enttäuscht: Fünf Jahre nach der Konzern-Hochzeit hat die „Fusion, die im Himmel geschlossen wurde“ (O-Ton Schrempp), mit mehr irdischen Problemen zu kämpfen als je zuvor.

Die Sanierung der japanischen Beteiligung Mitsubishi dauert länger als erwartet, bei der Geldmaschine Mercedes beginnt es zu knirschen, und vor allem Chrysler entwickelt sich zu einem chronischen Pflegefall. Die US-Sparte hat in den vergangenen Jahren Milliarden gekostet – und bislang scheinen die Stuttgarter keinen Weg zu finden, um den Aderlass zu stoppen. Der Ruhm, den Schrempp noch vor Jahren für die Fusion erntete, schlägt deshalb allmählich in herbe Kritik um, denn gerade der Daimler- Chrysler-Boss hatte in der Vergangenheit stets den Shareholder- Value-Ansatz hochgehalten und die Steigerung des Börsenwerts als Messlatte des Erfolgs bezeichnet. Doch damit ist es nicht weit her: Wer vor fünf Jahren zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses die Daimler-Aktie kaufte, hat bis heute mehr als 50 Prozent verloren.

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