Daimler-Chrysler baut EADS-Anteil ab
Zetsche gibt Gas

Dieter Zetsche, seit Sommer 2005 Mercedes-Chef und erst seit Januar Vorstandschef des Daimler-Chrysler-Konzerns, legt eine gewaltiges Tempo bei der Neuausrichtung des Konzern vor. Erst die Trennung von Mitsubishi, dann der gewaltige Jobbabbau zunächst bei Mercedes dann in der Verwaltung, zuletzt die Einstellung des Viersitzers beim Sorgenkind, der Kleinwagensparte Smart – Zetsche doktert nicht lange rum, sondern operiert. Nebenbei wurde der Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen verkauft. Und jetzt macht sich Zetsche bei EADS an die ersten Schritte zur Trennung von der größten verbliebenen Beteiligung aus der Ära Edzard Reuter.

Der wollte aus dem renommierten Autobauer einen integrierten Technologiekonzern zimmern und kaufte kräftig die damalige deutsche Luftfahrt- und Rüstungsindustrie zusammen. Nachfolger Jürgen Schrempp verwarf ab 1995 die Strategie und bastelte mit der Fusion mit Chrysler und der Beteiligung an Mitsubishi an seiner Vision von der Welt-AG im Fahrzeugbau. Gelungen ist der weltumspannende Konzern allenfalls bei den Nutzfahrzeugen. Bei den Autos dauert das wohl nach dem Ausstieg bei Mitsubishi viel länger als erwartet.

Zetsche ist angetreten, um den Konzern konsequent auf das Kerngeschäft, das das Unternehmen groß gemacht hat, zu konzentrieren. Denn bei den großen Visionen der Vorgänger blieb die Qualität der Marke Mercedes auf der Strecke, just als die Konkurrenten BMW, Audi und vor allem Toyota mit Lexus aufkamen.

Der Konzernchef konzentriert alle Anstrengungen darauf, dass das in 120 Jahren aufgebaute Image nicht weiter Schaden nimmt und der Mythos neuen Glanz gewinnt. Zudem geht es um eine engere Verzahnung mit Chrysler. Dass Zetsche jetzt schon konkret sagt, wie die Verringerung der Anteile 2007 beginnen wird, zeigt, dass er lange Hängepartien, wie etwa bei der Smart-Sanierung, nicht liebt. Auch zeigt sich, dass Zetsche bereits in der Lage ist, selbst bei einer hochpolitischen Frage wie der Zukunft dem Europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS schnell Fortschritte zu erzielen. Er gibt früher als erwartet ein klares Signal.

Zweifelsohne erhöht sich durch den höheren Streubesitz die Akzeptanz von EADS an den Kapitalmärkten. Im Gegenzug verschaffen die Mittel aus der Verringerung der Beteiligung Daimler-Chrysler zusätzliche Flexibilität, die Zetsche brauchen wird, um im Fahrzeugbau künftig stärker in die Offensive zu gehen. Gleichwohl, behält Daimler-Chrysler durch das simultane Vorgehen mit der französischen Seite auch mit einem Anteil von 22,5 Prozent maßgeblichen Einfluss auf die spannende Frage, wie sich die europäische Raumfahrt- und Rüstungsindustrie neu sortieren wird, um gegen die übermächtige US-Konkurrenz bestehen zu können.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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