Daimler-Chrysler
Flucht nach vorn

Der Einfluss von Finanzinvestoren auf Unternehmen und deren Strategie wächst seit Jahren. Es muss noch nicht einmal zu einem konkreten Übernahmeangebot kommen: Die schlichte Präsenz am Markt scheint Vorstände zum vorauseilenden Gehorsam zu zwingen. Der Fall Daimler-Chrysler. Eine Analyse.

Als der Versicherungskonzern Allianz seinen Schutzschild beim Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN wegnahm, trat MAN-Chef Håkan Samuelsson die Flucht nach vorne an. Jahrelang galt MAN als Zerschlagungskandidat, dessen Einzelteile mehr wert sind als das Konglomerat. Samuelsson machte die Arbeit von Finanzinvestoren – filetieren und verkaufen – selbst und stieß die Druckmaschinen ab.

Ähnliches mag Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche nach dem erneuten Desaster der US-Autosparte im vergangenen Jahr gedacht haben. Denn Analysten sahen darin den ultimativen Beweis, dass Daimler seine Tochter Chrysler substanziell nicht sanieren kann. Immer lauter intonierten auch die großen Fonds, dass Daimler ohne Chrysler mehr wert sei als mit. Zetsche hörte die Signale. Ohne schützenden Großaktionär im Rücken konnte das auch für ihn nur bedeuten, die Flucht nach vorne anzutreten.

Mit der Ankündigung am 14. Februar, für die chronisch defizitäre US-Sparte alle Optionen einschließlich Verkauf zu prüfen, hat Zetsche einen Kurssprung um fünf Prozent ausgelöst. Der Markt wettet seither mit Milliarden auf einen Verkauf. Mit einem Kurs von über 56 Euro hat sich der Unternehmenswert an der Börse um 15 Prozent erhöht, seit die Trennung von Chrysler in Aussicht gestellt wurde. Analysten rechnen bei einem Verkauf sogar mit noch einem weiteren Anstieg.

Zetsche hat in den USA den „Point of no Return“ überschritten. Er kann faktisch nicht mehr zurück. Nach den Absagen der meisten Autokonzerne bleibt wohl nur noch ein Verkauf von Chrysler an einen Finanzinvestor. Die milliardenschweren Giganten der Finanzszene haben sich bereits in Position gebracht. Blackstone werden gute Chancen eingeräumt. Und Konkurrent Cerberus hat mit dem Ex-Chrysler-Sanierer Wolfgang Bernhard als Berater einen Trumpf auf seiner Seite. Die Branche rechnet mit einem so niedrigen Preis, dass viele Beobachter noch staunen würden.

Würde Zetsche in einer solchen Situation Chrysler doch nicht verkaufen, befürchten Analysten eine Implosion des Kurses der Daimler-Aktie, mindestens aber einen Kursrückgang um einen zweistelligen Prozentwert.

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