Daimler-Chrysler
Hilflose Aufseher

Jürgen Schrempp verfügt künftig bei Daimler-Chrysler über eine Machtfülle, die mit den Grundsätzen einer guten Unternehmensführung kaum noch zu vereinbaren ist. In seinem Vorstand muss der Vorsitzende künftig keine Kritik mehr fürchten, wenn sein „Chief Financial Officer“ Manfred Gentz zum Jahresende von Bord geht.

Und der Aufsichtsrat hat sich unter der Führung von Hilmar Kopper in ein willfähriges Akklamationsorgan für Schrempp verwandelt. Kontrolle findet dort leider nur noch in einem sehr eingeschränkten Umfang statt. Und das in einer Zeit, in der es im Weltkonzern Daimler-Chrysler an allen Ecken und Enden brennt.

Auf der Hauptversammlung am 7. April soll der jetzige Aufsichtsrat nach dem Willen von Kopper und Schrempp bestätigt werden. Das Gremium ist paritätisch mit jeweils zehn Vertretern der Arbeitnehmer- und der Kapitalseite besetzt. Einen Manager aus der Automobilindustrie (oder wenigstens aus der Zulieferbranche) sucht man im ganzen Aufsichtsrat vergebens. Mit den früheren Vorstandsvorsitzenden von Bayer, Bertelsmann und Dresdner Bank sitzen dort immerhin drei Wirtschaftsführer, die selbst einmal international tätige Konzerne geleitet haben.

Der Rest der Kapitalbank soll Internationalität demonstrieren, glänzt aber in den meisten Aufsichtsratsdiskussionen vor allem durch unkritisches Abnicken aller Schrempp-Vorschläge: ein ehemaliger US-Admiral, ein früherer Vize-Tourismus-Minister aus Kanada, ein 75-jähriger Unternehmer aus der Verpackungsindustrie, der Herausgeber des Magazins „Black Enterprise“, ein niederländischer Ökonomieprofessor und der Präsident des Baseball-Clubs Giants aus San Francisco – allesamt ehrenwerte Männer mit einem Durchschnittsalter weit über sechzig.

Aber professionelle Aufseher im wichtigsten Autokonzern Deutschlands? Erhebliche Zweifel sind angebracht.

Die Arbeitsweise des Aufsichtsrats in den letzten Jahren trägt nicht dazu bei, die Zweifel an der Corporate Governance bei Daimler-Chrysler zu beseitigen. Der frühere Deutschbanker Kopper bereitet wichtige Entscheidungen nur allzu oft einsam und allein mit Schrempp vor – unter gelegentlicher Einbeziehung des mächtigen Betriebsratsvorsitzenden Erich Klemm, der im Aufsichtsrat als Stellvertreter Hilmar Koppers fungiert.

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