Daimler-Chrysler: Kommentar: Respekt!

Daimler-Chrysler
Kommentar: Respekt!

Dieter Zetsche hat das einzig Richtige getan: Mit seiner Entscheidung, Chrysler auf den Prüfstand zu stellen und eine Trennung von der problembehafteten US-Sparte nicht mehr auszuschließen, tritt er die Flucht nach vorn an – und zeigt damit wahre Größe.

Für Daimler und seinen Vorstandschef kommt der überraschende Coup einem Befreiungsschlag gleich, der Respekt verdient. Denn Zetsche, der selbst lange Jahre Chrysler-Chef war und seinen Aufstieg der vermeintlich erfolgreichen Sanierung der US-Sparte verdankt, springt damit auch über seinen eigenen Schatten.

Der Finanzmarkt wird dankend anerkennen, dass Zetsche mit dem Schritt ein deutliches Signal setzt, dass die Bunkermentalität, die noch unter seinem Vorgänger Jürgen Schrempp in Stuttgart herrschte, endgültig der Vergangenheit angehört. Zetsche beweist eindrucksvoll, dass er die Fähigkeit zur Selbstkritik besitzt, nüchtern die Probleme analysiert – und notfalls auch zu schmerzhaften Schritten bereit ist.

Dass die Ankündigung einer möglichen Trennung ausgerechnet am Valentinstag erfolgt, mag für die Amerikaner wie Hohn wirken, dennoch ist die Entscheidung konsequent. Auch neun Jahre nach der Fusion steht der Beweis, dass der Zusammenschluss von Daimler und Chrysler einen deutlichen Mehrwert schafft, noch aus. Bis heute bilden die beiden wichtigsten PKW-Sparten im Konzern zwei weitgehend isolierte Einheiten – zu wenig haben die Marken gemein, zu unterschiedlich sind die Kunden.

Niemand sollte sich deshalb täuschen: Die Überprüfung von Chrysler ist aller Voraussicht nach der Anfang vom Ende der schwierigen Firmenehe, von der Schrempp noch glaubt, dass sie im Himmel geschlossen worden sei.

Für Daimler-Chrysler bedeutet der 14. Februar damit eine tiefe Zäsur – und für Chrysler womöglich auch eine Chance. Mercedes und Chrysler haben nie wirklich zueinander gepasst. Mit dem heutigen Schritt erhält die US-Sparte auch eine neue Bewegungsfreiheit außerhalb des Konzernkorsetts, um Wege aus der Krise zu suchen. Auf die dauerhafte Schützenhilfe aus Stuttgart darf sich der US-Autobauer aus Auburn Hills dabei allerdings nicht mehr länger verlassen. Die Hochzeit der Sterne steht vor einem irdischen Scheidungsverfahren.

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