Daimler-Chrysler
Kommentar: Zetsche muss pfeifen

Daimler-Chef Dieter Zetsche bleibt in der Deckung. Zwei Monate nach dem Paukenschlag von Auburn Hills, wo er Chrysler öffentlich auf den Prüfstand stellte, lehnte sich der Vorstandschef auf der Hauptversammlung in Berlin in Sachen US-Sparte nicht allzu weit aus dem Fenster. Das mag manchen Aktionär enttäuschen, ist allerdings alles andere als überraschend.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Denn der berechtigte Wunsch der Anleger als Eigentümer des Unternehmens nach Transparenz in dieser wichtigen Frage kontrastiert nun einmal grell mit der notwendigen Vertraulichkeit der Verhandlungen bei einer solchen Milliardentransaktion. Schweigen ist bekanntlich Gold – und in den heiklen Gesprächen über die Zukunft von Chrysler gilt dies diesmal sogar wortwörtlich.

Auch aus pekuniären Gründen sollte dem Daimler-Management daran gelegen sein, sich möglichst lange alle Optionen offen zu halten. Solange Zetsche den Kaufinteressenten für die US-Sparte glaubhaft mit Alternativen für den US-Autobauer drohen kann, hält Daimler die Preise für die defizitäre Sparte hoch – und das ist auch im Interesse der eigenen Aktionäre. Doch niemand sollte sich etwas vormachen: Beim Status quo wird es nicht bleiben. Zetsche hat mit seiner Ankündigung in Auburn Hills den Mund gespitzt – nun muss er auch pfeifen.

Der Finanzmarkt hat sein Urteil längst gefällt, und das lautet: Trennung. Das Daimler-Management täte gut daran, diesen Wunsch nicht zu ignorieren. Denn sonst droht dem Konzern, über den kein Großaktionär schützend seine Hand hält, eine Attacke von Finanzinvestoren. Allzu viel Zeit für eine Richtungsentscheidung bleibt Zetsche deshalb nicht. Der heutige zeitweise Kursrückgang der Daimler-Aktie beweist, wie ungeduldig die Anleger sind.

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