Daimler-Chrysler
Schrempps Poker

Das ist völlig neu für die stolzen Mercedes-Werker: Bislang traf es nur die Kollegen von Opel oder VW, die auf einen Teil ihrer übertariflichen Leistungen verzichten sollten. Doch der Druck, der auf den deutschen Automobilherstellern durch erstarkte ausländische Konkurrenten lastet, geht auch nicht mehr an Mercedes vorbei.

Daimler-Konzernchef Jürgen Schrempp hat eine klare Zielsetzung vorgegeben: Bei Mercedes müssen 500 Millionen Euro gespart werden, sonst wird die nächste Generation der C-Klasse nicht mehr am Konzernstammsitz im deutschen Südwesten, sondern in Bremen oder gleich im viel kostengünstigeren Daimler-Werk in Südafrika gebaut. Die Beschäftigten sollen auf einen Teil ihrer Zulagen verzichten und länger arbeiten.

Jetzt beginnt das Machtspiel zwischen Management und Betriebsrat: Mercedes-Chef Jürgen Hubbert verlangt eine schnelle Einigung, in dieser Woche wird es die ersten größeren Streiks in den Mercedes- Werken geben. Zunächst sind kleinere Nadelstiche geplant, vor einem größeren Konflikt scheut die Arbeitnehmerseite noch zurück. Die Ziele sind klar umrissen: Bevor im August die große Sommerpause bei Daimler und Mercedes beginnt, soll ein Kompromiss unter Dach und Fach sein. Auch dem Betriebsrat ist klar, dass die Beschäftigten in Zukunft auf einige hundert Euro im Monat verzichten müssen. Offen ist die Frage, wie hoch der Betrag am Ende tatsächlich sein wird.

Auch Konzernlenker Jürgen Schrempp ist im Moment nicht an einer größeren Auseinandersetzung gelegen. Längere Produktionspausen würden die Absatzpläne empfindlich durcheinander bringen. Solange die anderen Baustellen bei Chrysler und in Asien noch Probleme bereiten, muss Mercedes den überwiegenden Teil der Daimler-Erträge erwirtschaften.

Der Vorstandschef des Stuttgarter Konzerns wird sich zudem sehr genau an das Jahr 1996 erinnern, als er im Machtkampf mit der Belegschaft eine empfindliche Niederlage einstecken musste. Damals war der kurz zuvor zum Daimler-Chef aufgestiegene Schrempp als Vorkämpfer gegen die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall vorgeprescht. Streiks der Mercedes-Beschäftigten zwangen ihn dazu, von der beschlossenen Kürzung der Lohnfortzahlung Abstand zu nehmen. Schrempp wird seine Betriebsräte nicht allzu sehr reizen wollen – eine Lehre aus dieser Auseinandersetzung aus den frühen Jahren.

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