Daimler-Chrysler
Störende Gewinne

Die „Hochzeit im Himmel“ ist längst gefeiert, die ein oder andere Krise gemeistert. Auffällig ist aber, dass sich die einstigen Traumpartner Daimler und Chrysler in den schweren Tagen ihrer Ehe mehr behindern als helfen.

Inzwischen stören – so paradox es klingen mag – die Gewinne bei Daimler mal wieder die Sanierung von Chrysler. Die US-Tochter versucht händeringend Kosten von Bord zu werfen, weil ihr sonst die nächste Serie an Milliardenverlusten droht. Die US-Gewerkschaften indes bleiben hartnäckig und verweisen darauf, dass zwar ihre Flaggschiffe General Motors und Ford am Abgrund stehen mögen, nicht aber der Daimler-Chrysler-Konzern mit seiner Gewinnprognose von etwa fünf Milliarden Euro für 2006. Hinzu kommt: Chrysler selbst hat in den USA zuletzt zwölf profitable Quartale in Folge abgeliefert. Dieser Bumerang fliegt gerade zurück.

Lohnkürzungen, weitere Entlassungen, ganze Werksschließungen gar? Die Vertreter der mächtigen US-Autogewerkschaft UAW wollen davon nichts hören. Bei General Motors und Ford haben sie herben Einschnitten zugestimmt, weil den hoch verschuldeten US-Konzernen der endgültige finanzielle Kollaps drohte. Bei Chrysler aber haben sie bisher nicht einmal Verhandlungsbereitschaft erkennen lassen. Zum Zankapfel entwickeln sich die Arbeitgeberzuschüsse zur Gesundheitsvorsorge. Die Chrysler-Chefetage rechnet vor, jedes Auto werde allein wegen dieser Kostenposition um 1400 Dollar teurer. Um diesen krassen Wettbewerbsnachteil auszugleichen, braucht Chrysler jetzt weniger einen harten Sanierer als vielmehr einen guten Moderator. Konzernchef Dieter Zetsche wurden beide Stärken vor nicht allzu langer Zeit zugesprochen. Wenn das zutrifft, wird auch die nächste Ehekrise bei Daimler-Chrysler bald vorüberziehen. Aber nur dann.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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