Dalai Lama
Kommentar: Eitle und Drückeberger

Der eine kann, will aber nicht, der andere würde gerne, kann aber nicht: Die Haltung der Bundespolitiker zum Besuch des Dalai Lama gerät zur Posse.
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Haben Sie einen, oder haben Sie keinen? Das ist derzeit die Gretchenfrage in Berlin. Eingeweihte wissen, worum es geht. Nicht etwa um einen Platz fürs Endspiel der Fußball-Europameisterschaft. Nein, es geht um einen Termin mit dem Dalai Lama. Dessen Deutschland-Besuch droht zum eitlen Politiker- und Medienauftrieb zu verkommen.

Ein CDU-Ministerpräsident nach dem anderen hat sich im Eilverfahren einen Termin-Slot im Kalender des Dalai Lamas gesichert – mit Kameras, versteht sich. Gar nicht erpicht auf einen Termin waren dagegen die Bundespolitiker. Zunächst jedenfalls. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kann und/oder will nicht, der Bundespräsident Horst Köhler will und/oder kann nicht. Die Kanzlerin kann definitiv nicht. Sie weilt nämlich noch im Ausland.

Das ist nicht gut. Denn in diesen Tagen kann zwar ein Treffen von den Chinesen schnell als Provokation missverstanden werden. Ein Nicht-Treffen kann allerdings ebenfalls missverstanden werden – als Verbeugung vor den Chinesen.

Deshalb hat die Bundesregierung spätentschlossen gehandelt: Man schickt Heidemarie Wieczorek-Zeul zum geistigen Oberhaupt der Tibeter. Das sichert ein Bild. Es bringt aber keinen Ärger mit den Chinesen, da die Entwicklungshilfeministerin „HWZ“ formal im Kabinetts-Ranking zu niedrig steht, als dass China ernsthaft verärgert reagieren müsste.

Arg in seinen Terminrechten beschnitten wird dadurch aber FDP-Chef Guido Westerwelle, für den nun offenbar kein Dalai-Lama-Slot mehr frei ist. Was dies angesichts der Bekenntnis-Stimmung in Berlin bedeutet, zeigt die schriftliche Entschuldigung der FDP-Pressestelle. Die erklärt detailliert, warum der FDP-Chef diesmal nur den tibetischen Exil-Regierungschef Samdongh Rinpoche treffen könne.

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