Das Eigenmarketing stößt der Union sauer auf
Seehofer empfiehlt sich

Breitbeinig, mit geöffnetem Sakko sitzt Horst Seehofer auf der Interviewcouch des frechsten Magazin-Formats des Bayerischen Fernsehens. Das Thema der Sendung ist eigentlich: Wer wird obsiegen im Machtpoker um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, sollte Edmund Stoiber ins Kabinett nach Berlin wechseln? Doch darum geht es "Quer"-Moderator Christoph Süß am Ende nur am Rande.

BERLIN. Was aus ihm selber werde und ob er sich am Ende nicht vorstellen könnte, sogar selber Stoiber in der bayerischen Staatskanzlei zu beerben, fragt Süß den Unions-Querdenker verschmitzt.

Seehofer lässt sich nicht lange bitten. Freimütig erzählt er, dass Stoiber ihm im vertraulichen Gespräch versichert habe, dass er auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen solle. Nur wo, das habe Stoiber ihm nicht gesagt. Unverblümt empfiehlt er sich für Berlin, natürlich in einem Amt, von dem er was versteht. Das könne eigentlich nur das Gesundheitsministerium sein. Bei Maischberges Talk auf N-TV läuft es ähnlich. Auch dort folgt seinem pflichtbewussten Petitum, dass selbstverständlich Angela Merkel Kanzlerin der großen Koalition werden müsse, die Selbstempfehlung für höhere Weihen.

In der CSU will Seehofers unermüdliches Werben in eigener Sache auf allen Medienkanälen allerdings partout nicht fruchten. Bislang ließ sich nur Günther Beckstein erweichen. Die Union müsse ihr christlich-soziales Profil schärfen, und deshalb müsse ein prominenter Sozialpolitiker in das Kabinett, sagte der bayerische Innenminister der "Welt am Sonntag" und fügte hinzu: "Horst Seehofer wäre sicher gut geeignet." Zuvor hatte Seehofer Beckstein als besten Kandidaten für die Stoiber-Nachfolge an der Spitze der bayerischen Staatskanzlei empfohlen. Da revanchiert man sich schon mal, wenn?s nichts kostet.

Stoiber selber aber schweigt eisern zu alledem. Und bei der großen Schwesterpartei stößt Seehofers Reklamefeldzug für die eigene Person zunehmend auf Widerwillen. "Einfach nur peinlich" sei das, sagt ein Mitglied der Fraktionsspitze - und obendrein auch taktisch unklug. Denn, wer für die CSU ins Kabinett gehe, bestimme in erster Linie Stoiber. Und den bringe Seehofer durch sein Trommeln in eine peinliche Lage. Wenn er ihn für ein Ministeramt nominiere, sähe das so aus, als könnte er nicht anders. "Da kommt Stoiber nur raus, indem er den Seehofer nicht nimmt."

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