Das legendöre Lambsdorff-Papier von 1982, verarbeitet zu einem fiktiven Interview
Otto Graf Lambsdorff: "Offenkundiger Mangel an Zuversicht“

Ein Patentrezept für die Überwindung der Beschäftigungs- und Wachstumskrise fand Otto Graf Lambsdorff in seiner Zeit als Bundeswirtschaftsminister 1977 bis 1984 nicht. Doch ein fiktives Interview zeigt, dass sein legendäres Papier vom 9. September 1982 auch heute noch Bestand hat. Alle Antworten sind wörtliche Zitate aus dem "Konzept für eine Politik zur Überwindung der Wachstumsschwäche und zur Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit".

Seit nunmehr vier Jahren steckt die deutsche Wirtschaft in der längsten Schwächephase der Nachkriegszeit. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich dramatisch verschlechtert und die Staatsverschuldung die Marke von 1,4 Bill. Euro überschritten. Wo liegen die Gründe?

Eine Hauptursache für die seit Jahren anhaltende Labilität der deutschen Wirtschaft liegt zweifellos in der weit verbreiteten und eher noch wachsenden Skepsis im eigenen Land. Die seit (?) Jahren andauernde Stagnation, die immer neu hervortretenden Strukturprobleme, die wachsende Arbeitslosigkeit, die große Zahl von Insolvenzen (?) sowie nicht zuletzt die Auseinandersetzungen und die Unklarheit über den weiteren Kurs der Wirtschafts-, Finanz- und Gesellschaftspolitik haben in weiten Bereichen der deutschen Wirtschaft zu Resignation und Zukunftspessimismus geführt. Dieser offenkundige Mangel an wirtschaftlicher und politischer Zuversicht dürfte auch ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die kräftige Expansion der Auslandsnachfrage im vergangenen Jahr - entgegen allen bisherigen Erfahrungen - nicht zu einer Aufwärtsentwicklung der Binnenwirtschaft geführt hat.



Das komplette Lambsdorff-Papier gibt's als Pdf-Dokument hier



Wurden denn mit den Steuerentlastungen, der Agenda 2010 und den Arbeitsmarktreformen nicht wichtige Schritte in die richtige Richtung unternommen?

Bisher ist es (?) dadurch nicht gelungen, die pessimistische Grundstimmung zu überwinden und die wirtschaftlichen Zukunftserwartungen zu bessern. Die bisherigen Beschlüsse sind in der Wirtschaft vielfach als zu kurzatmig, zu vordergründig, zu unsystematisch und teilweise als in sich widersprüchlich angesehen worden. Die Skepsis hinsichtlich einer grundlegenden Problemlösung konnte jedenfalls dadurch nicht überwunden werden. Eine die Wirtschaft nicht überzeugende Konsolidierungspolitik kann aber keine neuen Unternehmensinitiativen wecken; sie kann sogar durch das Zusammentreffen von staatlicher Nachfragekürzung und ansteckendem Pessimismus in der Privatwirtschaft einen noch gefährlicheren Circulus vitiosus in Richtung Depression auslösen.

Hat sich diese pessimistische Grundstimmung, von der Sie sprechen, erst in den letzten Jahren entwickelt?

Die gegenwärtig besonders deutliche Vertrauenskrise ist nicht kurzfristig entstanden. Sie muss im Zusammenhang mit tief greifenden gesamtwirtschaftlichen Veränderungen gesehen werden, die zwar zumeist schon in einem längeren Zeitraum eingetreten sind, deren volle Problematik aber teilweise erst in den letzten Jahren (?) deutlich geworden ist (?). Diese fundamentalen gesamtwirtschaftlichen Veränderungen haben zusammen mit einer Vielzahl von gesetzlichen, bürokratischen und tarifvertraglichen Verpflichtungen sowie mit tief greifenden Verhaltensänderungen in der Gesellschaft, zum Beispiel gegenüber dem technischen Fortschritt, der wirtschaftlichen Leistung, der Eigenverantwortung, wesentlich dazu beigetragen, erstens die Anpassungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft an binnenwirtschaftliche und weltweite Marktänderungen zu schwächen, zweitens die frühere Eigendynamik und das Selbstvertrauen der deutschen Wirtschaft zu erschüttern und drittensdie Unternehmen in ihren Investitionsdispositionen zu verunsichern (?).

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