Dax-Einbruch
Kommentar: Die Angst geht um

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"Wer das Geld liebhat, wird des Geldes nicht satt, und wer den Reichtum liebhat, nicht des Ertrages. Auch das ist nichtig.“ Die im zweiten Buch Mose beschriebene Vergänglichkeit des Geldes wird den Anlegern in diesen Tagen eindringlich vor Augen geführt. An der Börse grassiert Panik. Die Stimmung ist so schlecht wie seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 nicht mehr. Die Angst vor der Ansteckung Europas und Asiens durch eine US-Rezession schickt die Aktien auf Talfahrt. Doch was die Märkte zeigen, ist Übertreibung hoch zwei.

Bereits in den letzten Tagen war die Nervosität der Investoren zum Greifen nah. In den USA legten die Aktienindizes den schlechtesten Start in ein Börsenjahr seit Beginn der Aufzeichnung hin. In Deutschland büßten Dividendenpapiere so viel ein wie noch nie seit Bestehen des Aktienbarometers Dax. Das Fass zum Überlaufen brachten die Kreditversicherer. Während sich die Vertrauenskrise bislang auf die Banken weltweit beschränkt hatte, sehen Analysten und Fondsmanager jetzt auch Staats- und Unternehmensanleihen in Milliardenhöhe gefährdet, die von den Kreditversicherern gestützt wurden.

Doch Vorsicht: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Kein Anleger kann gewinnen, wenn er den Markt fluchtartig verlässt. Niemandem ist damit gedient, wenn er, koste es, was es wolle, Kursgewinne realisiert. Die Einbrüche etwa bei Eon und Bayer sprechen Bände. Sie sind fundamental – also von der Entwicklung der Gewinne her – nicht gerechtfertigt. Im Gegenteil: Die Angst bietet Chancen. Chancen auf kräftige Kursgewinne in den nächsten Monaten. Erstens verlieren Aktien im Schatten des Kurstales erfahrungsgemäß nicht mehr viel an Wert. Und zweitens steigen danach die Möglichkeiten, kräftige Aktiengewinne einzufahren.

Doch wann erreichen wir das Kurstal, oder haben wir es vielleicht schon hinter uns gelassen? Vieles spricht dafür, dass es in den nächsten Wochen holprig an den Börsen zugehen wird. Nur Top-Meldungen können uns aus dem Stimmungstief herausholen. Beispiel Nummer eins: erste, vorsichtige Zeichen dafür, dass der Wirtschaftsabschwung in den USA nicht so schlimm ausfallen wird wie derzeit befürchtet. Beispiel Nummer zwei: stark sinkende Energiepreise, die gleichzeitig eine Stimulanz für die Wirtschaft sind. Der Fall des Ölpreises unter die Marke von 90 Dollar setzt ein ermutigendes Zeichen, auch wenn das gestern niemand wahrnehmen wollte. Beispiel Nummer drei: kräftige Zinssenkungen auf beiden Seiten des Atlantiks. Gerade in den USA könnte die Notenbank Fed schon im Januar die Zinsen um einen halben Prozentpunkt senken. Das, verbunden mit einer schnellen Umsetzung des geplanten milliardenschweren Hilfspakets der US-Regierung, sollte schnell eine positive Wirkung in Übersee entfalten.

In Deutschland ruhen angesichts der Erholung am Arbeitsmarkt die Hoffnungen auf dem privaten Konsum. Die Deutschen brauchen zwar lange, um sich zum Kauf von Autos, Möbeln und anderen Konsumgütern durchzuringen. Sobald sie sich dazu entschlossen haben, kommt aber ihre hohe Kaufkraft zur Geltung. Das hilft Industrie und Börse. Wir werden in den nächsten Monaten wieder deutlich bessere Tage an den Märkten sehen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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