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Der Angstfaktor

Keine drei Tage hat es gedauert, und der italienische Ministerpräsident Romano Prodi darf auf eine zweite Chance hoffen.

Diese Woche wird er das Parlament in Rom erneut um das Vertrauen bitten. Im Rekordtempo hat Italien die Regierungskrise der vergangenen Woche beigelegt.Aber kann Prodi jetzt ungestört regieren? Nach wie vor wird Prodi nur von einer hauchdünnen Mehrheit gestützt. Sie ist jetzt auch noch auf die Stimme eines notorisch wechselhaften Senators wie Marco Follini angewiesen. Es ist mithin nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Abstimmungsniederlage die fragile Koalition auseinander reißt. Zu verschieden sind die politischen Ansichten der neun Parteien, die von Erzkommunisten bis zu Erzkatholiken reichen.

Sein Rücktrittsgesuch vom Mittwoch vergangener Woche hat zumindest eines bewirkt: Prodi hat die zersplitterte Truppe zur Disziplin gerufen. Doch eine solche Schocktherapie lässt sich nicht beliebig wiederholen. Noch hält vor allem die Angst vor weiteren fünf Jahren Berlusconi das Mitte-links-Bündnis zusammen. Doch gerade die Kommunisten in der Regierung haben bewiesen, wie kurz ihr Gedächtnis ist. Sie hatten bereits 1998 die erste Regierung Prodi gestürzt. Auf drei kurze Übergangsregierungen folgten fünf Jahre Berlusconi. Die Frage ist, ob die Vorstellung einer erneuten Regierung Berlusconi nun abschreckend genug ist, um die Reihen der Koalition fester zusammenzuschmieden. Wer glaubt, dass Prodi die extrem linken Kräfte der Koalition binnen weniger Tage ohne Grundsatzdiskussion auf sein Programm eingeschworen habe, muss schon mit einer gehörigen Portion Optimismus ausgestattet sein. Die Angst vor Berlusconi reicht jedenfalls kaum aus, um Italien eine stabile Regierung zu garantieren.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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