Der Kanzler wird als Bollwerk gegen eine Koalition unter Merkel aufgebaut
Warum die SPD-Linke ihr Herz für Schröder entdeckt

Der Kanzler wird als Bollwerk gegen eine Koalition unter CDU-Chefin Angela Merkel aufgebaut. Denn eine große Koalition würde die SPD vor innere Kämpfe stellen.

BERLIN. Das vorläufige amtliche Ergebnis der Bundestagswahl, das kurz vor zwei Uhr am Montagmorgen veröffentlicht wurde, scheint Franz Müntefering zu bestätigen. "Wir sind die stärkste Partei", hatte der SPD-Chef am Sonntag behauptet und damit den Anspruch auf die Kanzlerschaft begründet. Der Bundeswahlleiter weist nun 222 Sitze für die SPD, 179 Sitze für die CDU und 46 Sitze für die CSU aus.

Freilich bilden CDU und CSU im Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft, die zusammen auf 225 Sitze kommt. Professionelle Beobachter halten die Argumentation Münteferings daher für einigermaßen spitzfindig. Doch in der SPD hat sie sich rasch als allgemeine Sprachregelung durchgesetzt. Beim Ausweis der Spenden und der TV-Redezeit würden CDU und CSU als zwei Parteien zählen, argumentierte SPD-Vize Kurt Beck. Sie würden die Vorteile nutzen, doch die Nachteile zurückweisen: "Das ist eine spannende Frage, die hätte eigentlich schon 1949 gestellt werden müssen."

Natürlich geht es der SPD nicht ernsthaft um eine Verfassungsdebatte. Der Vorstoß soll vielmehr den Anspruch Gerhard Schröders auf die Kanzlerschaft untermauern. Theoretisch hat die SPD angesichts ihres Wahlergebnisses zwei Optionen: Entweder schmiedet sie eine Ampelkoalition mit FDP und Grünen oder sie bildet eine Koalition mit der Union.

Bereits vor der Sitzung des Parteipräsidiums am Montagmittag hatten sich Vertreter des linken wie des rechten Parteiflügels für eine Ampel ausgesprochen. Der Vorteil: Schröder bliebe unangefochten Kanzler. Der Nachteil: Die Liberalen spielen nicht mit. Insofern dürften sich die Sondierungsgespräche, die Müntefering in den nächsten Tagen führen soll, bald doch in Richtung Union bewegen. Eine große Koalition aber würde die SPD vor innere Kämpfe stellen. Das gilt erst recht, wenn sich die Partei einer Kanzlerin Angela Merkel unterordnen müsste.

Daher wird der Gedanke tabuisiert. "Es wird keine Koalition geben ohne Bundeskanzler Gerhard Schröder", sagte der bayerische Landeschef Ludwig Stiegler. Nicht immer war der Parteilinke vom Kanzler so begeistert. Doch beim knallharten Poker um die Macht stehen die Genossen geschlossen hinter Schröder.

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