Der Markt-Monitor
Bei BMW bleibt der Lack dran

Große Autos sind out, kleine Autos sind in - das ist die neue Weisheit. Gemessen daran schlägt sich BMW erstaunlich gut.
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Eigentlich müsste Toyota zu den großen Gewinnern der Finanzkrise gehören. Schließlich bauen die Japaner schon lange ein "Öko-Auto" (sofern Autos überhaupt ökologisch sein können), nämlich den hybrid-getriebenen Prius. Außerdem haben sie früh die Entwicklung umweltfreundlicher Dieselmotoren mit Katalysator vorangetrieben. Und vor allem sind die Japaner auch mit kleineren, preiswerten Modellen ganz gut unterwegs.

Trotzdem fährt BMW Toyota heute davon. Die Börse honoriert den Erfolg der Bayern, hat die Japaner aber nicht abgestraft, weil deren Verluste schon erwartet waren. BMW dagegen hat die Anleger in letzter Zeit so oft schockiert, dass die heutige Ankündigung eines knappen Gewinns für 2008 große Erleichterung auslöst.

Die Japaner haben vor allem ein Problem: Sie sind zu sehr vom US-Markt abhängig. Für die deutschen Autokonzerne ist es dagegen zurzeit ein Vorteil, dass sie in der Breite in Amerika nie den Fuß auf die Erde bekommen haben. Außerdem ist Toyota entzaubert: Ein Teil der hohen Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit war vor allem der Tatsache geschuldet, dass der Yen Jahre lang spekulativ zu niedrig bewertet war. Und, um das noch zu ergänzen, die Japaner haben in den USA den amerikanischen Herstellern wohl auch voraus, dass ihre Werke jünger und daher weniger von Pensionsverpflichtungen belastet sind - sie profitieren also letztlich von einer Fehlkonstruktion des amerikanischen Sozialsystems. So viel zum Mythos Toyota, was nichts daran ändert, dass das ein hervorragend geführter Konzern ist, der gute Autos baut.

Wie geht es aber mit BMW weiter? Wer Fernsehwerbung schaut, stellt fest, dass die Bayern sich jetzt auch ganz ökologisch verkaufen. Sie setzen auf die Käufer, die schnell fahren wollen, das Prestige lieben und gleichzeitig ökologisch denken. Das alles passt nicht wirklich zusammen. Aber weil es schön wäre, hat BMW möglicherweise guten Erfolg mit dem Versprechen, genau das zu leisten. Man sollte die deutschen Autokonzerne also nicht abschreiben, bloß weil sie große und teure Autos bauen.

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