Der ökonomische Gastbeitrag
Der Krieg um Rohstoffe findet nicht statt

China ist es in den vergangenen 25 Jahren gelungen, durch die Produktion vor allem arbeitsintensiver Güter sein Wachstum zu stimulieren und mehr als 420 Millionen Menschen aus der Armut herauszuführen.

Dabei bedeutet Armut nach der international üblichen Definition ein Einkommen von unter einem US-Dollar pro Tag. Gleichzeitig haben die Industrieländer Vorteile, da sie die arbeitsintensiven Güter der Schwellenländer preiswert importieren und hochwertige kapitalintensive Konsum- und Investitionsgüter dorthin exportieren. Dabei sorgt die kräftige wirtschaftliche Expansion in den aufstrebenden Volkswirtschaften Jahr für Jahr für einen willkommenen zusätzlichen Nachfrageimpuls für die Exporte der Industrieländer.

Weniger beachtet wird dagegen, welche Auswirkungen die Schwellenländer auf den Rohstoffmärkten und auf den Märkten für Kapital und Arbeit haben. So hat die langjährige wirtschaftliche Expansion Chinas zusammen mit dem kräftigen Bauboom und dem Aufbau der Exportindustrie einen kolossalen Rohstoffhunger des Landes mit sich gebracht. Seine Anteile an den Weltimporten liegen bei 46 Prozent für Eisenerz, 36 für Baumwolle, 23 Prozent für Kupfererz, 21 Prozent bei Zellstoff und Papier, 20 Prozent für Gummi, 12 Prozent für Plastik und bei 6,2 Prozent bei Rohöl. Auch bei Nahrungsmitteln sind die Anteile beachtlich: 40 Prozent bei Soja und 34 Prozent bei Ölsaaten. Zum Vergleich: Der Anteil Chinas an der Weltproduktion bewegt sich bei 5 Prozent (alle Angaben beziehen sich auf das Jahr 2005).

Diese Anteile sind in den letzten Jahren kräftig gestiegen. So erhöhte sich etwa der Anteil der Rohölimporte von null im Jahr 1993, als China selbst noch genügend Erdöl produzierte, auf sechs Prozent der Weltimporte im Jahr 2005. Bei einer eigenen Produktion von 3,6 Millionen Fass (pro Tag) und einem Verbrauch von 6,6 Millionen Fass lag Chinas Importnachfrage 2005 bei 3,6 Millionen Fass; noch im Jahr 2001 hatte diese Überschussnachfrage nur 1,4 Millionen Fass pro Tag ausgemacht. Chinas Anteil am Weltstahlverbrauch nahm von 17 Prozent 1992 auf 31 Prozent 2006 zu.

China reagiert auf diese Situation, indem es sich im Ausland eigene Rohstoffquellen erschließt, vor allem in Afrika und Lateinamerika. Ein Teil seiner Direktinvestitionen im Ausland – es waren insgesamt 11,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 – dient diesem Zweck. Die Rohstoffimporte dürften in Zukunft auch eine Rolle bei der Bestimmung des Außenwerts des Renminbis spielen, da eine unterbewertete Währung, die den Export erleichtert, auf der anderen Seite der Medaille die Kaufkraft im Ausland schmälert.

Auf dem Weltmarkt sind mit dem Nachfrageschub bei den Energieprodukten und bei den Rohstoffen Preiseffekte verbunden. Beispielsweise stieg der Preis für Stahlschrott, der im Zeitraum von 1999 bis 2002 bei 100 US-Dollar pro Tonne lag, durch den chinesischen Bau- und Exportboom auf 250 Dollar pro Tonne im Jahr 2003 an. Für Rohstoffexportländer eröffnen sich damit neue Chancen.

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