Der ökonomische Gastkommentar
Chinas Börsen ticken anders

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Eine Welle der Euphorie treibt Chinas Börsen auf immer neue Höhen – und schürt im gleichen Maße Ängste vor einem Crash. Doch es sind nicht allein die Spekulanten, die für die großen Schwankungen an Chinas Börsen sorgen: Der Staat mischt kräftig mit.

Den Anstoß für die Gründung der Börsen in Schanghai und Shenzhen hatte Chinas Staatslenker Deng Xiaoping 1992 auf seiner viel zitierten Inspektionsreise in den Süden gegeben. Damals rief er dazu auf, den chinesischen Kapitalmarkt als Experiment zu entwickeln. Ideologische Bedenken zerstreute Deng, indem er das bis dahin Undenkbare in eine Frage hüllte, die mit Hilfe ebenjenes Experimentes beantwortet werden sollte: Handelt es sich bei Aktien um Dinge, die nur zum Kapitalismus passen, oder kann man sie auch im Sozialismus nutzen?

China nutzte die Umwandlung von Staatsunternehmen in Aktiengesellschaften mit anschließendem Börsengang als einen der wichtigsten Bausteine bei der Reform des Wirtschaftssystems. Vordergründig wurden alle Voraussetzungen eines Kapitalmarktes mit regulatorischem Rahmen sowie Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten geschaffen, wie man sie auch in westlichen Ländern findet. Dem äußeren Anschein nach existiert in der Volksrepublik China ein Kapitalmarkt, der jenen auf anderen Wachstumsmärkten in der Welt ähnelt. Und doch: Der chinesische Wertpapiermarkt tickt anders.

Die vergangenen 15 Jahre haben gezeigt, dass ein Kapitalmarkt in einer Wirtschaft, in welcher der Staat alles zu kontrollieren versucht, nicht funktioniert. Richtig ist, dass Staatsunternehmen enorme Mengen an Kapital eingeworben haben. Richtig ist auch, dass internationale Investmentbanken und Fondsmanager die Börsengänge dieser Unternehmen im Ausland vielfach – und zumTeil enthusiastisch – unterstützen. Doch während die Unterstützung international auf dem festen Glauben an Chinas große Zukunft gegründet ist, besteht sie in China selbst mehr aus der Spekulation auf kurzfristige Gewinne.

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