Der ökonomische Gastkommentar
Vom Streben nach Zinsvorteilen

Es scheint, als ob die Globalisierung nicht nur bei den privaten, sondern auch bei staatlichen Einrichtungen, wie es Notenbanken sind, den Rechtfertigungszwang, wie wirtschaftlich mit dem – nicht immer eigenen – Vermögen umgegangen wird, merklich erhöht hat.

Wie bekannt, lässt die Volksrepublik China in Zukunft einen wesentlichen Teil ihrer Devisenreserven „managen“. Damit sollen möglichst hohe Zinserträge erwirtschaftet werden. Macht das chinesische Beispiel auch bei anderen, mit Devisenreserven „gesegneten“ Zentralbanken Schule, kommt eine, jedenfalls mit Blick auf die Größenordnungen, völlig neuartige Folge von Devisenmarktinterventionen ins Spiel: Was passiert nämlich, wenn solche Zentralbanken in Zukunft in Situationen geraten, in denen sie unter Umständen umfangreich am Devisenmarkt intervenieren wollen und dazu dann schnell Wertpapiere, in erster Linie private Langläufer, erwerben oder, im umgekehrten Fall, schnell liquidieren müssen? Dann würden in diesem Markt die Kurse steigen beziehungsweise sinken und die Zinsen schnell sinken beziehungsweise steigen. Es käme eine Finanzmarktvolatilität hinzu, die, von den Wechselkursinteressen Dritter ausgelöst, zugleich aber für das eigene Land in erheblichem Maße konjunkturrelevant wäre.

Eine weitere Frage ist, ob durch eine solche Politik letztlich nicht der Interventionsbedarf der beteiligten Notenbanken eher noch verstärkt wird und damit die Effektivität und Effizienz der eigenen Interventionen gesenkt werden. Wenn jedenfalls das Ziel der Interventionen darin besteht, den US-Dollar an den Devisenmärkten zu stärken oder zu schwächen, so führt eine Reduktion oder Erhöhung des Zinsniveaus in den Vereinigten Staaten gerade in die falsche, weil unerwünschte Richtung. Denn dann werden Effektivität und Effizienz der Devisenmarktinterventionen beeinträchtigt. Das zweite Beispiel betrifft die altehrwürdige Bundesbank: Diese will nach Angaben von Präsident Axel Weber – vermehrt – Goldreserven unter ihren Aktiva gegen attraktiv verzinste ausländische Wertpapiere eintauschen. Auch die Bundesbank wird tendenziell aus Renditeerwägungen heraus, die zumindest den Anlass für die neue Strategie abgeben, eher – wenn wir das Phänomen der inversen Zinsstruktur für einen Augenblick ausblenden

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