Der politische Gastkommentar
Der Erfolg der Dschihadisten

Der Kampf des Westens gegen den islamistischen Terror ist von Populismus, Opportunismus und Dilettantismus geprägt. Es ist höchste Zeit, über die westliche Politik gegenüber der islamischen Welt nachzudenken und geeignete Mittel zur geistigen Auseinandersetzung mit dem Islamismus auszuarbeiten.
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DÜSSELDORF. „Noch schädlicher war die Wirkung des Heiligen Krieges auf den Geist des Islams... Die blindwütige Unduldsamkeit der Kreuzfahrer löste als Antwort zunehmende Unduldsamkeit unter den Mohammedanern aus.“ So zog der britische Historiker Steven Runciman in seiner „Geschichte der Kreuzzüge“ die Bilanz der blutigen islamisch- christlichen Konfrontation im Mittelalter. Ob sich die Geschichte wiederholen und der islamistische Terror die westlichen Demokratien zur Aufgabe ihrer Werte zwingen wird, ist mit einem klaren „Nein“ zu beantworten. Allerdings haben die Dschihadisten unabhängig von ihrem Willen und Bewusstsein schon einen kleinen Erfolg errungen: Sie haben mit ihrer Irrationalität offenbar schon Teile der westlichen Politik infiziert.

Davon zeugen die groben Verstöße gegen das internationale Recht im Rahmen des von US-Präsident Georg W. Bush geführten Kriegs gegen den Terror. Aber auch die letzte politische Offensive von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der unter anderem die so genannte „gezielte Tötung“ als Mittel zur Bekämpfung des Terrors in Betracht zieht.

Sowohl die Diagnose als auch die Behandlung der islamistischen Plage haben in der westlichen Welt bisher nicht zum erwünschten Erfolg geführt. Die Verantwortung dafür tragen vordergründig der Populismus der Politik und der Dilettantismus ihrer opportunistischen Islamexperten. Die einen lehnen jeden Zusammenhang zwischen islamistischem Terror und der westlichen Politik in der islamischen Welt ab, während die anderen ihn nur aus dem Koran zu erklären versuchen.

Die These, wonach die Dschihadisten mit ihren Bomben die westliche Lebensart nur aus purem Hass zerstören wollen, findet in den westlichen Medien weite Verbreitung. Diese Vereinfachung führt zur Verhinderung jeder Diskussion über die Effektivität der heutigen Bekämpfung des Terrors und macht Platz für einen Fatalismus, der die Ausarbeitung neuer Strategien zur politischen und geistigen Auseinandersetzung mit dem islamischen Extremismus hemmt.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begegnen die westlichen Regierungen dem islamistischen Terror ausschließlich mit polizeilichen und militärischen Mitteln. Die Kriege im Irak und in Afghanistan haben bisher allein den USA 500 Milliarden Dollar und Tausende tote und verwundete Soldaten gekostet, von getöteten Irakern und Afghanen ganz zu schweigen. Die moderne Kriegsmaschinerie und die Dschihadisten haben fatalerweise die Lebensgrundlagen der Menschen zerstört und mehr Saat für Hass und Rache gestreut. Diese Situation war traumhaft für die zerstörerische und nihilistische Ideologie der El Kaida, die sich seit dem antiterroristischen Kreuzzug der Regierung von Präsident Georg W. Bush einer kleinen Gruppe am Hindukusch zu einer weltweiten Ideologie entwickelt hat, die Selbstmordattentäter inspiriert und rekrutiert.

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