Der politische Gastkommentar
Mit Karacho gegen die Wand

In regelmäßigen Abständen singen Protagonisten von Privatuniversitäten das Hohe Lied solcher Einrichtungen. Und dabei wird stets das staatliche Hochschulsystem als ineffektiv und nicht leistungsfähig abgekanzelt.

Richtig ist, dass die staatlichen Universitäten manche Krise zu durchstehen hatten und immer noch haben. Und solche Krisen wurden und werden nicht selten durch eine politisch motivierte, unsachgemäße Gesetzgebung verursacht. Manche Ungereimtheiten hat es allerdings auch „vor Ort“ gegeben, insbesondere dann, wenn Präsidenten oder Rektoren gewählt worden sind, die ihr Fähnchen allzu sehr in den parteipolitischen Wind gehängt haben. Zweifelsfrei ist ebenso, dass die Installierung privater Bildungseinrichtungen eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen System sein kann.

Allerdings ist es falsch, wenn behauptet wird, man benötige private Bildungseinrichtungen, weil die staatlichen keine hinreichend gut ausgebildeten Absolventen entlassen würden. Denn diese gibt es durchaus. Nur darf nicht vergessen werden, dass die staatlichen Hochschulen alle Bewerber nehmen müssen, solange Plätze verfügbar sind. Die privaten Hochschulen dagegen dürfen sich ihre Kandidaten auswählen. Die Befürworter privater Institute nehmen nicht nur in diesem Zusammenhang den Mund oft zu voll. Zum einen haben solche Institutionen meist nur ein sehr schmales Angebot von Fächern und auch nur wenige hundert Studierende. Zum anderen erweisen sich hochtrabende Pläne oft als Luftnummern oder Seifenblasen.

In letzter Zeit machen drei Beispiele von sich reden. So hat der frühere Präsident der Universität Witten-Herdecke, Konrad Schily, immer wieder vehement die Unabhängigkeit seiner Einrichtung propagiert. Doch damit war es schnell vorbei, als er entgegen seinen ursprünglichen Beteuerungen staatliches Geld forderte. Noch schlimmer kommt es jetzt: Da wird über eine Partnerschaft mit einem Industrieunternehmen verhandelt. Die Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) will die klamme Hochschule retten. Verschämt erklärt dieselbe, dass sich das Unternehmen „mit einer relevanten Summe beteiligen will“. Das ist eigentlich ja nicht zu beanstanden. Nur sollte dann nicht vergessen werden, unter welchen Aspekten man angetreten ist und was aus dem ursprünglichen Konzept geworden ist. Noch schlimmer ist es um das SIMT (Stuttgarter Institute of Management and Technology) bestellt. Diese von namhaften Industriellen in die Welt gesetzte, von Fachleuten von Beginn an als Fehlkonstruktion bezeichnete Mini-Einrichtung haucht nun endgültig ihr Leben aus. Und dies trotz einer wiederholten künstlichen Beatmung in Form von Geldspritzen.

Überlebenschancen haben nur jene Institutionen, deren finanzielle Basis gesichert ist. Als Beispiele dürfen gelten die International University in Bremen dank der Spende der Jacobs-Foundation, ebenso die Bucerius Law School, die von der „Zeit“-Stiftung lebt, und die WHU in Vallendar bei Koblenz, die nach einer Spende den Namen des Wohltäters Otto Beisheim School of Management trägt. Auch wenn ein Unternehmen hinter der Idee steht, so ist das noch keine Garantie auch nur für den mittelfristigen Bestand einer solchen Hochschule. Das zeigt der Fall der so genannten Auto-Uni des Volkswagen-Konzerns. Da war von einem groß angelegten akademischen Netzwerk die Rede, von einer global agierenden international anerkannten wissenschaftlichen Hochschule mit drei Fakultäten. Übrig geblieben ist das, was man auf keinen Fall wollte: ein firmeneigener Seminarbetrieb. Kleinlaut reduziert man das als Corporate University deklarierte Gebilde zu einer schlichten Weiterbildungseinrichtung des Unternehmens. Da drängt sich das branchentypische Bild von Crash-Versuchen auf: mit vollem Karacho gegen die Wand.

In allen drei Fällen des Scheiterns lagen die Gründe vor allem in der zu schmalen finanziellen Basis wie bei Witten-Herdecke und Stuttgart beziehungsweise im Rückzug des Unternehmens, letztlich ebenfalls aus finanziellen Erwägungen. So wird es möglicherweise auch noch anderen Einrichtungen ergehen, die zunächst mit großem Getöse aus der Taufe gehoben worden sind. Unabhängig von der finanziellen Absicherung dürfte auch wichtig sein, ob die Programme das halten, was man sich davon versprochen hat. Sofern sie nur unwesentliche Varianten zu dem bieten, was die staatlichen Fakultäten offerieren, wird sich schnell die Frage nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen stellen. Und diese Frage wird nicht nur von den Gebührenzahlern, also den Studierenden, sondern auch von den Trägern erhoben werden. Ein weiterer Aspekt wird hinzukommen: Infolge der Exzellenzinitiative und dem damit stärker vernehmbaren Wettbewerb werden Fakultäten staatlicher Universitäten ihre Stärken deutlicher ausspielen. Das werden die Breite des Angebots und der Bezug zur Forschung sein. Damit können private Institute in der Regel nicht konkurrieren.

Und es kommt noch eine andere Überlegung hinzu: Die handverlesene Auswahl der Studierenden an privaten Einrichtungen garantiert zwar Lernfähigkeit und Einsatzbereitschaft. Sie bedeutet ebenso Homogenität der Lerngruppen, die sich positiv auf den Erfolg auswirkt, weil es generell kein großes Gefälle in den Leistungen gibt. Dieses „Unter-sich-Sein“ hat aber auch den Nachteil der Abschottung. Diese führt dazu, dass manches, was auch zu den Erfahrungen eines Studiums gehört, gar nicht wahrgenommen wird. Ob sich unter solchen Bedingungen soziale Kompetenzen so entwickeln können, wie sie von späteren Führungskräften erwartet werden, ist eine noch offene Frage.

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