Deutsch-amerikanische Beziehungen
Gemeinsame Interessen

Bush wie Schröder sind in diesen Tagen bemüht, auch ihre persönlichen Beziehungen zu normalisieren. Regierungen müssen sich nicht mögen, um ihre gemeinsamen Interessen (wieder) zu entdecken.

Hinter dem Schreibtisch Gerhard Schröders im Kanzleramt hängt ein großformatiges Ölbild, das man vorschnell zur Metapher der deutschen Misere in den letzten 10 Jahren erklären könnte: ein Adler im Sturzflug nach unten, kopfüber und zerzaust. Das Gemälde, eine Leihgabe, stammt von Georg Baselitz. Der lässt seine Bilder seit vielen Jahren um 180 Grad gedreht aufhängen.

Schröders Bild verrät daher eher etwas über den anti-pathetischen und ironisch gebrochenen, aber auch an Stimmungen und Opportunitäten orientierten Politikstil des Kanzlers als über den Zustand Deutschlands. Wir können ziemlich sicher sein: George W. Bush würde das Baselitz-Bild nicht verstehen, nicht mögen und schon gar nicht im Oval Office dulden. Schröders Weltsicht, ja seine ganze Person geben dem Präsidenten bestenfalls Rätsel auf.

Und man muss davon ausgehen: Auch das erste Vier-Augen-Gespräch seit Beginn der Irak-Krise, das die beiden nächste Woche in New York führen, wird daran nichts ändern. Trotzdem sind beide, Bush wie Schröder, in diesen Tagen bemüht, auch ihre persönlichen Beziehungen zu normalisieren. Regierungen müssen sich nicht mögen, um ihre gemeinsamen Interessen (wieder) zu entdecken.

Das gilt auch für den Irak: Alle Beteiligten sollten den transatlantischen Streit über den Krieg vergessen und sich ganz darauf konzentrieren, wie die westliche Gemeinschaft gemeinsam den Frieden im Irak gewinnen kann. Schröder ist auf dem Pfad zu dieser politischen Erkenntnis offenbar bereits ein ganzes Stück weiter vorangekommen als seine französischen Freunde. Jacques Chirac benutzt die Auseinandersetzung um eine neue Uno-Resolution in diesen Tagen, um seine machtpolitischen Rechnungen mit Bush zu begleichen. Einige französische Forderungen an die Amerikaner, zum Beispiel im Irak schnellstmöglich Wahlen zu organisieren, sind illusionär. Und selbst Uno-Generalsekretär Kofi Annan hält nichts von der Idee, den Vereinten Nationen die Mitverantwortung für die militärische Sicherheit im Irak aufzubürden.

Es ist an der Zeit, die „Anti- Kriegskoalition“ mit den Franzosen zu vergessen und sich wieder ganz auf deutsche Interessen zu besinnen. Sie sind in vielem, aber nicht in allem deckungsgleich mit den französischen. Wir müssen nicht alle Eitelkeiten des gallischen Hahns mitmachen.

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