Deutsch-amerikanische Beziehungen
Kommentar: Verstand statt Gefühl

Wenn Zeitungen aufgeregt über politische Selbstverständlichkeiten berichten, kann dies zweierlei bedeuten: Entweder ist es höchste Zeit für eine umfassende Medienschelte. Oder aber es deutet auf grundsätzliche Fehlentwicklungen in der Politik hin.

Wenn Zeitungen aufgeregt über politische Selbstverständlichkeiten berichten, kann dies zweierlei bedeuten: Entweder ist es höchste Zeit für eine umfassende Medienschelte. Oder aber es deutet auf grundsätzliche Fehlentwicklungen in der Politik hin. Beim Dauerspekulieren über mögliche Treffen des Bundeskanzlers mit dem US-Präsidenten trifft wohl eher die zweite Variante zu: Denn das Thema erweckt nur deshalb Interesse, weil die Öffentlichkeit ein deutsch-amerikanisches Gipfeltreffen längst für überfällig hält. Und weil sich der Eindruck festsetzt, das Hauptproblem liege darin, dass sich beide Politiker stärker von ihren Gefühlen und Egos als ihrem Verstand lenken lassen.

Seit Ende des Irak-Krieges erleben wir deshalb zwar eine schrittweise Normalisierung der zuvor lädierten deutsch-amerikanischen Beziehungen, aber sie ist quälend langsam. Erst besuchen sich die Minister wieder gegenseitig, dann schütteln sich Schröder und Bush bei internationalen Treffen die Hand. Schließlich ruft Bush an, um Schröder sein Mitgefühl nach dem Selbstmordanschlag auf deutsche Soldaten in Kabul auszudrücken. Seither ist eine Geste des Kanzlers überfällig, dass er ein bilaterales Treffen für wichtig hält – im deutschen Interesse.

Eine Reise nach Washington muss dabei weder ein Canossagang werden, noch sollten politische Differenzen überspielt werden. Aber ein Treffen würde die schwierige innereuropäische Debatte über weitere Integrationsschritte entspannen. Schließlich fürchten viele der jetzigen und kommenden EU-Mitglieder, sich immer wieder zwischen der Weltmacht und dem größten EU-Staat entscheiden zu müssen. In Wahrheit sind die Interessen beider bei den meisten großen Themen aber deckungsgleich.

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